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Nachhaltigkeit im E-Commerce: Strategien und Tipps für nachhaltigere Onlineshops

16. Mai 2022

Nachhaltigkeit liegt im Trend und gleichzeitig boomt der Onlinehandel – steht das nicht eigentlich im Widerspruch zueinander? Besonders den jungen Generationen liegen der Klima- und Umweltschutz vorgeblich sehr am Herzen. Sie sind es aber auch, die besonders viel im Internet bestellen. Ein Schlüssel, um dieses kleine Paradoxon aufzuheben und zu Deinem Vorteil zu nutzen, ist die Zusammenführung der beiden Aspekte: E-Commerce muss nachhaltiger werden.

Ist dein Shop bereit dafür, nachhaltiger zu werden? Hier findest Du Hintergrundinfos, Tipps und Best Practices für mehr Nachhaltigkeit im E-Commerce.

Wie nachhaltig ist der Einkauf im Internet wirklich?

Es geht direkt mal mit einer Überraschung los: Forscher:innen der Universität St. Gallen haben herausgefunden, dass der stationäre Handel mitunter deutlich mehr CO2 ausstoßen kann als der E-Commerce. In einem Artikel zu den Ergebnissen, die dem Handelsblatt vorliegen, wird zwar angemerkt, dass die Studie von Amazon in Auftrag gegeben wurde. Die Forscher:innen erklären jedoch, sie hätten unbeeinflusst gearbeitet.

Insbesondere der Energieverbrauch der stationären Geschäfte vermiest den Vor-Ort-Händler:innen die CO2-Bilanz. Zudem sei der Individualverkehr der Kund:innen hin zum und zurück vom stationären Ladengeschäft laut der Studie deutlich schädlicher für die Umwelt.

Die Studie berücksichtigt allerdings viele Faktoren nicht, die weniger mit dem Klimaschutz, aber umso mehr mit dem Umweltschutz zu tun haben. So ist nicht wegzudiskutieren, dass beim Onlineshopping erheblich mehr Verpackungsmüll anfällt. Häufig werden Pakete mit Styropor oder vergleichbaren Füllmaterialien gepolstert, die noch nach tausenden Jahren nicht biologisch abgebaut sind.

Bei den meisten Händler:innen tritt noch viel Papierkram die Reise zu den Empfänger:innen mit an: Rechnungen, Retourenzettel oder Werbematerial. Bei vielen Kund:innen landen diese Beigaben einfach direkt im Altpapier.

Darüber hinaus retournieren viele Onlineshopper:innen einen erheblichen Teil ihrer Bestellungen wieder. Besonders in der Modebranche ist dies ein gewaltiger Kosten- und Ressourcenfaktor. Da ein gewisser Teil der zurückgeschickten Waren noch nicht einmal mehr erneut verkauft werden kann, müssen Händler:innen sie entsorgen. Das zieht die Umweltbilanz weiter ins Negative.

Angesichts des unnötigen Energie- und Materialaufwands für die Herstellung und den Versand retournierter Produkte spielt auch eine ethische Komponente in den E-Commerce hinein. Wenn Produkte bestellt, geliefert und wegen Nichtgefallens wieder zurückgefahren werden, um schließlich auf dem Müll zu landen, wird die damit einhergehende enorme Ressourcenverschwendung moralisch problematisch. Wie Du dem proaktiv begegnen und Deine Retourenquote senken kannst, erfährst Du in unserem Blogbeitrag.

Es lässt sich also festhalten: Das Konsumverhalten der Gesellschaft ist allgemein nicht besonders nachhaltig. Der E-Commerce schneidet dabei in Bezug auf die CO2-Bilanz – in gewisser Hinsicht – besser als der stationäre Handel ab. Zugleich ist es Fakt, dass beim Onlinehandel extrem viel Verpackungsmüll anfällt und auch die zahlreichen Retouren ein Problem darstellen.

Lohnt sich es sich für Shops, nachhaltiger zu werden?

Angesichts der breiten gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Themen der Nachhaltigkeit liegt es auf der Hand, dass Unternehmen, die sich nachhaltiger aufstellen und das auch kommunizieren, einen starken Marketingeffekt erzielen. Mittlerweile ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor beim Aufbau der Markenidentität.

Wichtig ist es für Dich hierbei, keinesfalls mehr Schein als Sein zu erzeugen. Es kommt darauf an, zielführende Maßnahmen konsequent umzusetzen. Bloße Behauptungen, prominent platziert, aber dürftig unterfüttert, strafen Verbraucher:innen heute gnadenlos ab.

So kann der Aufbau einer grünen Marke schnell zusammenbrechen, wenn Du mit zweifelhaften Partner:innen zusammenarbeitest und somit den Eindruck vermittelst, dass Dein Konzept letztlich nur Greenwashing ist.

Verkaufst Du beispielsweise Waren, die in China billig produziert und mit enorm viel Verpackungsmaterial verschickt werden, lässt das den Verdacht aufkommen, dass es um die Nachhaltigkeit in Deinem E-Commerce schlecht bestellt ist. Insbesondere jüngere Zielgruppen sind so aufmerksam (und aktiv in den sozialen Netzwerken), dass solche Inkonsequenzen schnell aufgedeckt sind.

Nachhaltigkeit kommunizieren: Understatement gewinnt

Eine eher zurückhaltende Kommunikation von Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit empfiehlt sich nicht nur aufgrund der zahlreichen Fettnäppfchen im breitgefächerten Themenfeld der Nachhaltigkeit, sondern schon allein deshalb, weil sie weitaus besser zum ökologischen Gesamtkonzept passt.

Achte also darauf, dass Du mit Deinen Versprechungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit Deines E-Commerce nicht übertreibst. Ein reflektiertes Statement über Deine eigene Nachhaltigkeit könnte zum Beispiel lauten:

„Wir wissen, dass wir noch nicht alles perfekt machen. Aber wir versuchen, an so vielen Stellschrauben wie möglich zu drehen, um unsere Prozesse und Deine Bestellungen nachhaltiger zu gestalten. Hast Du Feedback, was wir noch besser machen können? Dann sag uns gern Bescheid!“

Wenn Du Dich um mehr Nachhaltigkeit in Deinem E-Commerce bemühst, kannst Du Dich damit übrigens nicht nur von Konkurrent:innen positiv abheben. Auch beim Recruiting kann es sehr hilfreich sein, wenn Du Dir eine grünere Employer-Brand aufbaust. Sinnhaftigkeit und ökologisches Bewusstsein sind für viele Talente heute ausschlaggebende Kriterien für ein Engagement bei Arbeitgeber:innen.

Nicht zuletzt kann sich der Weg zu mehr Nachhaltigkeit im E-Commerce auch finanziell vorteilhaft auswirken. Deine Kund:innen akzeptieren durchaus bereitwillig weniger attraktive Verpackungen ohne Corporate Design und beigelegte Goodies, wenn Du Ihnen signalisierst, dass diese dafür ökologischer und günstiger herzustellen sind.

Zudem kannst Du versuchen, Deine Kund:innen dafür zu sensibilisieren, weniger Retouren zurückzusenden. Das macht sich nicht nur in Deiner CO2-Bilanz, sondern auch in den Aufwänden für Dein Retourenmanagement bemerkbar.

Zu guter Letzt bedeutet Nachhaltigkeit immer Zukunftsgewandtheit. Es ist damit zu rechnen, dass nachhaltige, klimaneutrale Prozesse beziehungsweise Unternehmen bald schon nicht mehr nur eine freiwillige Vorbildfunktion einnehmen, sondern eine gesetzlich vorgeschriebene Notwendigkeit sein könnten. Als First Mover in Sachen Nachhaltigkeit kannst Du Dir einen ökologischen und ökonomischen Vorteil verschaffen. Deinem E-Commerce kommt dann eine Pionierrolle zu, da Du nicht erst reagiert hast, als es zur gesetzlichen Pflicht wurde, sondern schon vorher aus Überzeugung.

7 Tipps, die Deinen Shop nachhaltiger machen

Abschließend geben wir Dir noch ein paar konkrete Best Practices an die Hand, um Deinen Shop schrittweise nachhaltiger zu machen. Viele dieser Maßnahmen kannst Du in wenigen Wochen umsetzen.

Tipp #1: Papierkram digitalisieren

Gib Deinen Kund:innen die Möglichkeit, ihre Rechnung in digitaler Form zu erhalten. Auch einen Retourenschein und Werbematerial kannst Du im PDF-Format versenden, sodass den versendeten Paketen gar keine Unterlagen in Papierform mehr beiliegen. Idealerweise ist es die Standardoption in Deinem Shop, dass Deine Kund:innen die Unterlagen digital erhalten.

Tipp #2: Nutze und kommuniziere eine nachhaltige Verpackung

Wenn Deine Kund:innen hochwertige Produkte bei Dir ordern, erwarten sie womöglich auch eine dementsprechend edle und aufwändige Verpackung. Erklärst Du aber, dass Du nach Möglichkeit auf einen Versand in einer recycelten Verpackung setzt, werden das höchstwahrscheinlich viele Kund:innen lobenswert und nachvollziehbar finden.

Sensibilisiere Deine Zielgruppen außerdem dafür, dass sie selbst ebenfalls eine wiederverwendbare Verpackung erneut benutzen können, statt sie direkt ins Altpapier zu entsorgen. So kannst Du dazu beitragen, Verpackungsmüll zu vermeiden beziehungsweise vermeintlichem Abfall einen neuen Nutzen geben.

Tipp #3: Nachhaltiges Produktsortiment

Natürlich kannst Du nicht von heute auf morgen Dein Produktsortiment umstellen. Aber womöglich gibt es ein paar Produkte, die im Sinne der Nachhaltigkeit dem Rotstift zum Opfer fallen können, ohne dass Du deutlich weniger Umsatz generierst. Achte darauf, dass dabei nicht ausgerechnet Deine wenig nachhaltigen Top-Seller im Sortiment verbleiben. Das würde inkonsequent wirken.

Tipp #4: Verpackungsgrößen prüfen

Eine Umstellung des Sortiments bietet Dir zugleich die optimale Gelegenheit, Deine bislang verwendeten Verpackungsgrößen zu prüfen. Du kennst es sicherlich selbst: Viele Produkte werden in zu großen Verpackungen verschickt. Oft ist dann sogar Füllmaterial nötig, damit die Sendungen keinen Schaden nehmen. Vielleicht gibt es auch in Deinem Sortiment den ein oder anderen kritischen Artikel, bei dem immer noch viel Luft im Paket verbleibt. Kalkuliere, ob es sich nicht lohnt, dafür passendere Verpackungsformate in Dein Repertoire aufzunehmen.

Tipp #5: Nachhaltige Versandoptionen

Die ökologisch sinnvollste Verpackung ist das eine – wie sie bei den Empfänger:innen ankommt, das andere. Setze auf Logistikpartner wie DHL GoGreen oder UPS carbon neutral. Hier hast Du sogar die Möglichkeit, die Mehrkosten für diese CO2-neutralen Versandarten auf Deine Kund:innen umzulegen, indem Du sie als Opt-in beim Bestellprozess anbietest. Gleichzeitig gibst Du Deinen Kund:innen das Gefühl, beim Onlinekauf einen kleinen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

Darüber hinaus kannst Du mit Deinem Versanddienstleister vereinbaren, dass nur möglichst wenige Zustellversuche unternommen werden. Alternativ kannst Du den Versand an eine Packstation verstärkt bewerben und beim Auswählen der Versandart kurz und knackig dessen ökologische Vorteile erklären.

Tipp #6: Klimaneutrales Serverhosting & energieeffiziente Hardware

Deine IT-Infrastruktur verursacht nicht nur laufende Kosten, sondern auch CO2-Emissionen. Arbeite mit einem Hosting-Anbieter zusammen, der sich der Klimaneutralität verschrieben hat. Auch Deine Büroausstattung sowie die Lagerlogistik kannst Du wahrscheinlich so optimieren, dass Du im täglichen Betrieb etwas weniger Energie verbrauchst.

Tipp #7: CO2-Aufklärung & -Ausgleich anbieten

Informiere darüber, wie viel CO2 durchschnittlich bei einer Bestellung in Deinem Shop anfällt, und biete an, dass Deine Kund:innen direkt bei ihrer Bestellung die entstandenen Emissionen ausgleichen können (ähnlich wie es Zalando seit einiger Zeit praktiziert). Zeige in diesem Zusammenhang auch gern auf, was Dein Shop schon dafür tut, um weniger CO2 zu erzeugen.

Wenn Du einen monetären Ausgleich ermöglichst, brauchst Du natürlich einen verlässlichen Partner, der Dich dabei unterstützt, damit die Abrechnung sauber funktioniert und das Geld auch wirklich dafür eingesetzt wird, wofür es gedacht ist.

Zu seriösen Organisationen für zertifizierten Treibhausgasausgleich im E-Commerce zählen beispielsweise Primaklima, Atmosfair und Myclimate.

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