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Onlinehändler:innen reagieren gespalten auf OSS

04. März 2022

Am 1. Juli 2021 ist die bisher größte Mehrwertsteuerreform für EU-weiten Online-Handel in Kraft getreten, mit dem Ziel, Umsatzbesteuerung des Warenverkehrs innerhalb der EU grundsätzlich einfacher zu regeln und faire Wettbewerbsbedingungen für Online-Händler:innen zu schaffen. Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten spiegelt sich jedoch wieder, wie eine neue Umfrage zeigt, ein gemischtes Meinungsbild unter deutschen Online-Händler:innen wieder. Durchgeführt wurde die Studie gemeinsam von der Forschungseinrichtung ibi Research an der Universität Regensburg und den Logistic Natives e.V.

Der Kern der Reform

Im Wesentlichen wurden mit dem EU-Paket Lieferschwellen vereinheitlicht und eine zentrale Melde- und Zahlungsstelle (One-Stop-Shop) eingerichtet. Verkaufst du also Waren an Privatkund:innen in einem anderen EU-Land, musst du, wenn du in diesem Land mit deinen Umsätzen die Lieferschwelle überschreitest, Umsatzsteuer zahlen. Diese Lieferschwelle wurde dabei auf 10.000 Euro vereinheitlicht und gilt innerhalb der gesamten EU für alle Verkäufe. Die Umsätze, die du in den EU-Ländern erzielst, kannst du zentral für alle Länder bei einer einheitlichen Stelle melden und die Umsatzsteuer abführen. Dafür wurde für deutsche Onlinehändler:innen beim Bundeszentralamt für Steuern ein One Stop Shop (OSS) eingerichtet. Für den Handel mit Drittstaaten wurde hingegen der sogenannte Import One Stop Shop (IOSS) entwickelt.

Nicht jede:r kennt die Regelung und nutzt das Verfahren

Die Studie beleuchtet zunächst den Bekanntheitsgrad der Regelungen unter Onlinehändler:innen. Dabei gaben über 30 Prozent der Befragten an, die Neuerungen gut zu kennen und zu wissen, was sie tun müssen. Für elf Prozent der Händler:innen war die Regelung indessen neu.

Wie viele nutzen das vereinfachte Verfahren für Fernverkäufe über den One Stop Shop?

  • Immerhin 39 Prozent nutzen das OSS-Verfahren.
  • 34 Prozent nutzen es nicht und planen es auch nicht.
  • 23 Prozent kennen das Verfahren gar nicht.

Darüber hinaus gibt es für den Handel mit Drittstaaten den Import One Stop Shop (IOSS). Dieses Verfahren nutzen jedoch nur 9 Prozent der Befragten. 38 Prozent kennen das Verfahren gar nicht.

Vor- oder Nachteile? Gemischte Erfahrungen

Die Erfahrungen der Onlinehändler mit dem neuen System sind dabei zwiegespalten. Zunächst zur monatlichen Umsatzsteuererklärung: Kleine Onlinehändler:innen klagen über zu viel Zeitaufwand und hohe administrative Anforderungen. Einige kritisieren, dass das neue System die Steuerberaterkosten in die Höhe treibt und sie die Mehrkosten tragen müssen, wenn die Umsatzsteuer in dem jeweiligen Land höher ist als in Deutschland. Andere dagegen loben das System als alltagstauglich und zukunftsweisend.

Ganze 62 Prozent der Befragten sehen in den neuen Regelungen weder Vor- noch Nachteile. Allerdings sei die Umsetzung zu kompliziert und der Verwaltungsaufwand zu hoch. Kundenbeschwerden und der Verlust von Stammkunden folgen daraus, dass sie den Versand an EU-Endkunden aussetzen müssen, bis das Problem gelöst wird. Hingegen freuen sich die Befürworter darüber, dass die Compliance sich vereinfacht, sich Kosten reduzieren lassen und es eine zentrale Stelle zur Abwicklung gibt.

Große technische Probleme 

Es hatte sich bereits nach wenigen Wochen abgezeichnet: Bei der Umstellung auf das OSS-Verfahren gab es so einige Probleme. 24 Prozent der Befragten bemängeln technische Probleme, 29 Prozent hingegen kamen ohne IT-Probleme zurecht.

Worin lagen und liegen die Probleme?

  • Onlinehändler:innen fanden keine geeigneten Partnerfirmen und es haperte an der Umsetzung im internen ERP-System,
  • Die Anbindung, auch der Warenwirtschaft- und Shopware-Software, war sehr teuer und komplex,
  • Daten der Marktplätze waren mangelhaft oder es gab keine Lösung für den Webshop,
  • Marktplätze fragten diverse Infos ab, was die Umsetzung sehr komplex machte,
  • Der Aufwand für das Software-Update und die Umstellung der Kontierung war sehr hoch.

Onlinehändler:innen sehen die neuen Regelungen gespalten. Probleme zeigen sich vor allem in der technischen Umsetzung. Da ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben. Die Studie kannst du Dir hier kostenlos zusenden lassen.

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