Während die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) diskutiert werden, haben sich erste Vorboten bereits in unserem Alltag breit gemacht. Ob Assistenzsysteme im Auto, Chatbots in der Kundenbetreuung, Siri oder Alexa – alle haben sich schon an die bequeme Unterstützung durch KI gewöhnt. Jetzt sind auch erste KI-Projekte in Steuerkanzleien zu beobachten. Schließlich hilft diese Technologie nicht zuletzt dabei, Prozesse zu automatisieren und vereinfachen, und das in einer Branche, die wie alle mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen hat.

Aber keine Angst – KI wird keine Arbeitsplätze vernichten, sondern vielmehr dafür sorgen, dass stupide Tätigkeiten wegfallen und sich die Steuerberater und ihre Teams wieder spannenderen Aufgaben zuwenden können. Damit diese Transformation gelingt, muss sichergestellt sein, dass die Systeme mit den richtigen Daten „gefüttert“ werden. Denn die KI kann nur so intelligent sein, wie man sie „macht“. Umso wichtiger ist es, dass sich die Kanzleien frühzeitig mit den Möglichkeiten und Mehrwerten dieser Technologie auseinandersetzen.


Vorteile von KI in der Steuerberatung

Automatisierung und Effizienzsteigerung

Mit KI lassen sich Routineaufgaben in der Steuerberatung automatisieren. Das steigert die Effizienz und gibt den Steuerberatern mehr Zeit für andere Aufgaben.

Intelligente Unterstützung für den Steuerberater

KI ersetzt niemanden, sondern unterstützt die Mitarbeiter in den Kanzleien: Daten werden schneller verarbeitet und Muster, die für Menschen nur schwer zu identifizieren sind, werden erkannt.

Mehr Präzision

Der Einsatz von KI minimiert Fehler und erhöht die Genauigkeit und Validität von Steuererklärungen. Das wiederum ist Grundlage für bessere Beratungsleistungen.

Wertvollere Prognosen

KI hilft bei der Analyse historischer Daten und ermöglicht zuverlässigere und schnellere Prognosen.

Moderne Kundeninteraktion

KI-basierte Chatbots lassen sich flankierend in der Mandantenbetreuung einsetzen, um einerseits die Berater zu entlasten und andererseits die Mandanten optimal zu informieren.


Gerade für Steuerkanzleien, deren Kunden aus der schnelllebigen E-Commerce-Branche kommen, könnte deshalb der Einsatz von KI interessant sein. Denn ebenso wie die KI ist E-Commerce einerseits durch seine Wandlungsfähigkeit und Dynamik geprägt, bringt andererseits aber auch neue Herausforderungen mit sich.  

Big Data  

Im Vergleich zum stationären Handel lösen E-Commerce-Geschäfte beispielsweise ein Vielfaches an Prozessen aus. Das ist gleichbedeutend mit einem Plus an Daten, die erfasst und ausgewertet werden müssen, beispielsweise Eingangs-, Ausgangsrechnungen, PayPal-Auszüge, Sammelzahlungen, etc. Bei dieser Vielzahl – allein bei den Zahlungsoptionen – kann man leicht den Überblick verlieren. Die Krux dabei: Je erfolgreicher ein Online-Shop ist und je stärker der Umsatz steigt, desto komplizierter wird das Management. Diese Datenflut macht es eCommerce-Unternehmern schwer, sämtliche Online-Transaktionen zusammenzuführen. Da die Unternehmer aber gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihre Buchhaltung ordnungsgemäß zu erstellen, ist die Handhabung dieser Prozesse eine enorme Herausforderung und das nicht zuletzt, wenn der Steuerberater hinzukommt.  

An dieser Stelle können integrative Plattformen helfen. Sie sind in der Lage, Buchhaltungsprozesse zu automatisieren und damit den Gesamtprozess zu vereinfachen. Über API-Schnittstellen lassen sich beispielsweise Rechnungen und Zahlungen automatisch einlesen, ohne dass Mandanten oder Steuerberater aktiv werden müssen. So stehen ihnen alle relevanten Daten jederzeit topaktuell zur Verfügung und niemand muss mehr auf ein monatliches Reporting warten.

Je besser die Datenbasis – desto besser für die Kanzlei

Sind zeitaufwändige Prozesse erst einmal automatisiert, haben Buchhalter und Steuerberater automatisch mehr Zeit für die Analyse und Auswertung der Daten. Das hilft insbesondere dann, wenn es darum geht, anhand der Datensätze Muster zu identifizieren und Trends zu erkennen. Kanzleien, die dabei die Möglichkeiten der KI nutzen, haben den Vorteil, dass dieser Prozess um ein Vielfaches schneller erfolgt, sodass der Steuerberater viel früher und intensiver in die Beratung einsteigen kann. Dank der vorhandenen Informationen und verfügbaren Zeit, tut er sich zudem leichter, einen ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen des Mandanten zu entwickeln, um auch betriebswirtschaftliche Aspekte in seine Beratung einfließen zu lassen.

KI sorgt also dafür, dass Steuerberater sich wieder viel intensiver auf ihre Beraterrolle fokussieren können, anstatt sich mit einer mühsamen und zeitintensiven Datenpflege aufzuhalten. Dank KI sind sie nicht nur schneller in der Lage, Analysen zu liefern und zu interpretieren, sondern sie können ihre Erkenntnisse viel weitreichender einbringen – zum Nutzen der Mandanten. Die Unternehmen profitieren also von validen Finanzanalysen, die ihnen helfen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen, Risiken zu vermeiden und die Voraussetzungen für ein stabiles Wirtschaften zu legen. 

Fazit

KI unterstützt die Steuerberater, damit diese ihre Expertise optimal einbringen können – in Interesse der Mandanten, aber auch des Wohlergehens der eigenen Kanzlei. Dabei ist KI das leistungsstarke Tool, das Prozesse automatisiert, Analysen verbessert und den Steuerexperten die bestmögliche Datenbasis für ihre Beratungstätigkeit an die Hand gibt. Aber erst, wenn der Steuerberater mit seinem Wissen, seiner Kreativität und seinem strategischen Denken die vorhandenen Daten interpretiert, ist der Mehrwert für den Mandanten spürbar – das kann KI allein nicht leisten, dafür braucht es nach wie vor den Menschen mit seinen individuellen Fähigkeiten.

Autoren

Lumir Boureanu
Vorstand eurodata

Nadja Müller
Steuerberaterin und fynax-Leiterin

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Das Programm ChatGPT von OpenAI hat richtungsweisende Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz gemacht. Mit dem Launch des Programms im November 2022 ist ein benutzer:innenfreundliches KI-Tool auf den Markt gebracht worden, das kostenfrei und einfach genutzt werden kann. Somit ist ChatGPT, die am schnellsten wachsende Verbraucher:innen-Applikation in der Geschichte und erreichte alleine 2023 rund 100 Millionen aktive Nutzer:innen. Es folgten mehrere Kooperationen mit anderen Unternehmen und milliardenschwere Investments von Microsoft zum weiteren Ausbau des KI-Tools. Was allerdings bei den aktuellen Entwicklungen untergegangen sein könnte: ChatGPT bietet nun auch einen eigenen GPT-Store mit exklusiven Services und Extras für Plus-, Team- und Enterprise-Abonnent:innen an. Steigt ChatGPT jetzt damit in den Online-Handel ein? Wir haben uns das genauer angeschaut.

Store oder Spielwiese?

Das Unternehmen ermöglichte vor kurzer Zeit seinen Nutzer:innen eigene spezifizierte Anwendungen (GPTs genannt) in einer eigens dafür angelegten Storefront bereitzustellen. Die entstandenen Anwendungen basieren auf der ChatGPT-Technologie und reichen von privaten KI-Assistenten für Kochrezepte bis hin zu Tech-Support-Konfigurationen. Zusätzliche Kosten entstehen durch die Nutzung dieser GPTs nicht – der Zugriff ist aber nur für Abonnent:innen der ChatGPT Plus, Enterprise oder Team Abo-Modelle möglich.

Laut ChatGPT ist der GPT-Store dafür da, diese entstehenden KI-Applikationen zu sammeln und den Nutzer:innen bereitzustellen. Der Begriff „Store“ ist allerdings etwas irreführend, da die Applikationen dort nicht für externe Nutzer:innen zum Kauf zur Verfügung stehen, sondern nur von Abonnent:innen frei genutzt werden können. Dennoch will das Unternehmen es seinen Creators auf lange Sicht ermöglichen, Geld mit den erfolgreichsten Anwendungen zu verdienen. Eine erste Idee hierzu wäre, auf Grundlage des Nutzungsverhaltens der beliebtesten Anwendungen Geld an die jeweiligen Ersteller:innen auszuzahlen. Diese Gewinnoption soll zwar noch im ersten Quartal 2024 greifen, jedoch zunächst nur für Nutzer:innen in den Vereinigten Staaten mit sogenannten „Builder Profiles“ möglich gemacht werden. Ein entsprechendes Modell in Europa ist offiziell noch nicht in Planung.

Bestandsaufnahme & Prognose

Es ist kein Geheimnis, dass Künstliche Intelligenz und KI-Tools im Allgemeinen immer stärker in den Fokus rücken – so auch im Online-Handel. Laut des State of Commerce Reports von Salesforce kam man in diesem Zusammenhang auf das Ergebnis, dass bereits 77 Prozent der E-Commerce-Unternehmen weltweit KI-Programme nutzen. Damit ist eine flächendeckende Einführung von KI-Tools im Online-Handel eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.  

Mittlerweile tummeln sich im GPT-Store bereits über drei Millionen individuelle GPTs. Der Store soll vorerst als zentrale Sammellaufstelle für alle erstellten Tools funktionieren – ähnlich wie in einem App-Store. Doch spätestens mit der geplanten Monetarisierung der erstellten Applikationen wird auch ChatGPT zu einer bedeutenden Größe in der E-Commerce-Branche werden.

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© iStock via FinkAvenue

Wer Kleidung gern online bestellt, kennt das Problem: Welche Größe ist die passende? Tatsächlich besteht im Online-Handel seit jeher immer noch das Problem, dass Passgrößen und Passformen je nach Artikel für alle Käufer:innen variieren. So bestellt man oft seine Standardgröße und dann fällt der eine oder andere Artikel doch wieder größer oder kleiner aus. Bisher gestaltet sich die E-Commerce-Branche in puncto Retouren aber sehr benutzer:innenfruendlich, denn: Mehr als 90 Prozent der Händler:innen in Deutschland bieten Retouren noch immer kostenfrei an. Im internationalen Vergleich ist das nicht selbstverständlich, die Rate in den Vereinigten Staaten liegt bei nur 56 Prozent, in China ist es sogar nur ein Viertel aller Händler:innen.

Mit gestiegenen Transportkosten und der aktuellen Inflationsproblematik stellt sich der Branche aber auch hierzulande die Frage, wie man Retouren am besten minimieren könnte, um so Kosten einzusparen. Amazon stellte in diesem Zusammenhang erst kürzlich sein Konzept für Retourenminimierung vor: Smarte Lösungen, die den Kund:innen bei der Auswahl der richtigen Passgröße helfen sollen und damit gleichzeitig die Einkaufserfahrung verbessern.

Amazon setzt dort an, wo es zählt

Einer der wichtigsten Aspekte im Online-Handel ist das Retourenmanagement im Bekleidungssegment. Denn hier entstehen für Anbieter:innen enorme Kosten, die weitestgehend von ihnen selbst getragen werden müssen. Amazon gilt hier als Vorreiter und hat in einem erst kürzlich veröffentlichten Blogpost erläutert, wie Künstliche Intelligenz dem Unternehmen dabei hilft, dessen Retourequoten nachhaltig zu senken. Doch das ist nicht das einzige Ziel: Durch die Reduzierung der Retouren und der damit einhergehenden Kostenersparnis soll die Technologie auch dazu beitragen, für mehr Zufriedenheit bei Sellern und Kund:innen zu sorgen und ein verbessertes Einkaufserlebnis zu bieten. Durch die Nutzung von insgesamt vier unterschiedlichen KI-Tools sammelt das System wichtige Daten und wertet sie in einer eigens angelegten Datenbank aus, um schlussendlich personalisierte Produkt- und Größenempfehlungen für alle Nutzer:innen anbieten zu können.

 „Deep Learning“

Alle genutzten Tools sollen kurz gesagt vorausgegangene Bewertungen und Empfehlungen über die Passform der Bekleidung vergleichbarer Kund:innen als Informationsquelle nutzen, um dann personalisierte Empfehlungen abgeben zu können. Die Grundlage für das KI-Programm besteht im Algorithmus. Mit „Deep Learning“ werden Größenverhältnisse zwischen Marken und ihren jeweiligen Größensystemen berücksichtigt und anhand der Produktbewertungen und Passformpräferenzen ausgewertet. Im Nachgang generiert der Algorithmus dann eine optimierte Größentabelle und Produktbeschreibung, die es Kund:innen einfacher macht, sich für die passende Größe zu entscheiden.

Large Language Models (LLM)

Die von der KI generierte Größentabelle speist sich hauptsächlich aus der Analyse von vorausgegangenen Größenempfehlungen der Kund:innen für das Produkt. Hier kommt dann das sogenannte Large Language Model Tool zu Gebrauch, das diese zusammengefassten Empfehlungen aus vorhandenen Datenbanken analysiert. Beispielsweise unterstützt das LLM-Tool dabei, auch herauszufinden, ob ein Produkt aus vorherigen Produktbewertungen als „dehnbar“ bezeichnet wird. Damit würde nämlich gegebenenfalls auch eine kleinere Größe ausreichen. Auch andersrum wäre es möglich: Das Tool filtert aus den Produktbewertungen heraus, dass das jeweilige Produkt oft klein ausfällt und empfiehlt Kund:innen daher, dieses Produkt eine Nummer größer zu ordern.

Fit Insights Tool

Bei diesem Tool werden die Retourengründe der Kund:innen analysiert. Das hilft Online-Händler:innen dabei herauszufinden, warum Produkt XY beispielsweise eine relativ hohe Rückgaberate aufweist. Außerdem werden aber auch Informationen zu den bevorzugten Größenangaben der Kund:innen festgehalten. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse nutzt das Tool im Nachgang dazu, verbesserte Produktbeschreibungen anzubieten. Der Algorithmus gruppiert hier anonym Kund:innen mit ähnlichen Größen- und Passformvorlieben und ordnet Einkaufsprofilen, die genau auf diese Beschreibung passen, ausgewählte Produkte mit entsprechender Passformbeschreibung zu. Das KI-Tool nutzt ausgewählte Produkteinkäufe anhand der gesammelten Daten zu Stil, bevorzugter Größenauswahl und Bewertung und spielt Kund:innen mit ähnlichen Vorlieben passende Produktempfehlungen aus. Als Begründung gibt Amazon an, dass Kund:innen eher dazu bereit sind, online einzukaufen, wenn Ihnen bestimmte Größen bereits empfohlen werden. Amazons Datenbanken speisen sich aus insgesamt 19 Ländern.

Fit Review Highlights

Das Tool Fit Review Highlights (FRH) präsentiert Kund:innen beim Online-Shopping eine Übersicht zu der eigenen Passform und Größe. Das Tool wertet hierfür nur Bewertungen von Online-Shoppern, basierend auf der eigenen Standard-Größe aus. Das bedeutet, wenn Kunde XY standardmäßig Größe M trägt, werden ihm oder ihr automatisch Bewertungen zu genau dieser Größe ausgespielt. Das Tool ermöglicht so eine personalisierte Größenberatung für alle Kund:innen. Zusätzlich nutzt der zugrunde liegende Algorithmus aber auch vorausschauende Technologie, die beispielsweise beim Kauf einer Hose für ein Kleinkind oder Baby ein paar Monate später automatisch größere Größen als Empfehlung ausspielt.

Künstliche Intelligenz in der Branche – Trend oder bereits Realität?

Erste Anzeichen für die Etablierung von KI-Tools haben sich bereits durch die Nutzung von Alexa, Google Assistant und Apples Siri abgezeichnet – auch SmartHome Funktionen der verschiedenen Anbieter:innen sind bereits voll etabliert. Doch spätestens mit ChatGPT von OpenAI sind KI-Tools in ihrem vollen Nutzungsumfang auch der breiten Masse zugänglich gemacht worden. Viele Unternehmen nutzen bereits Künstliche Intelligenz, um beispielsweise ihre Transportwege in der Logistik zu verbessern oder um Kund:innenrezensionen besser auswerten zu können – so auch Amazon. KI-Tools sind weder im Alltag noch in der Welt des Online-Handels eine Trenderscheinung – viel mehr sind sie bereits fester Bestandteil der E-Commerce-Branche.


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© iStock via Anton Vierietin

Buy now pay later, Gamification im Online-Handel, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und das Zukunftspotential von Live-Shopping – 2023 haben wir euch einige wichtige E-Commerce-Trends vorgestellt. Doch wie sieht es im Jahr 2024 aus? Welche Trends werden den Markt bestimmen? Genaue Vorhersagen für das neue Jahr zu treffen, ist zwar immer schwierig, da sich sowohl Technologien als auch Verbraucher:innengewohnheiten im E-Commerce schnell ändern können. Dennoch gibt es einige Trends, die den Online-Handel in den kommenden Jahren nachhaltig prägen werden. Wir haben für euch eine Übersicht zusammengestellt:


Trend 1: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen

KI ist spätestens mit ChatGPT zum Frontrunner aller Trends geworden – so auch im E-Commerce. Im Online-Handel wird KI zukünftig eine große Rolle spielen. Aber wie genau könnte diese aussehen? Unternehmen könnten zum Beispiel KI-Algorithmen nutzen, um Kund:innen anhand ihres Einkaufverhaltens personalisierte Empfehlungen anzubieten, den Kundenservice zu verbessern und deine Cybersecurity abzusichern. Durch maschinelles Lernen, Datenanalyse und Robotik kann KI ebenfalls dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und die Lieferkettensicherheit deines Online-Shops zu verbessern. Außerdem können Nachfrageprognosen verbessert und Lagerbestände anhand dieser Informationen optimiert werden.

Einige Big Player wie Amazon oder Victoria´s Secret nutzen bereits KI-basierte Software, beispielsweise um die Retourenquoten zu senken oder ein besseres Online-Einkaufserlebnis zu bieten. Auch der Discounter Netto hat bereits ein KI-basiertes „Pick & Go“-Smartkonzept in einer Filiale in Regensburg eingeführt, das Kund:innen – ähnlich wie bei Amazon Go – ermöglicht, ohne Kassenabwicklung einzukaufen.

Trend 2: Virtuelle und erweiterte Realität

Mit der Weiterentwicklung von VR- und AR-Technologien können Online-Händler:innen immersive Einkaufserlebnisse bieten. Kund:innen sind dann in der Lage, Produkte virtuell auszuprobieren oder in einer AR-Umgebung zu erleben. Doch im Unterschied zu KI, werden VR- und AR-Technologien erst richtig greifen, wenn die Technologien bei der breiten Masse der Bevölkerung angekommen sind. Entsprechende High-End Geräte, wie die Apple Vision Pro können, diesen Effekt aber durchaus beschleunigen. Ob es 2024 allerdings schon so weit ist, bleibt fraglich. Trotzdem wird AI und VR auch im Online-Handel einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Eine entsprechende Integration in deinen Online-Shop ist also in jedem Fall empfehlenswert.

Trend 3: Voice-Commerce

Sprachgesteuerte Assistenten wie Amazons Alexa, Apples Siri oder Google Assistant werden immer beliebter. Online-Händler:innen können ihre Plattformen bereits jetzt anpassen, um Sprachbefehle zu unterstützen und den Nutzer:innen den Einkauf über Sprachbefehle gemütlich aus dem Smart Home zu ermöglichen.

Trend 4: Nachhaltigkeit, ethischer Konsum & Second-Hand-Shopping

Verbraucher:innen legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und ethischen Konsum. Online-Händler:innen können ihre Lieferketten transparenter machen, umweltfreundliche Verpackungen verwenden und Produkte mit nachhaltigen Zertifizierungen fördern.

Aktuell auch sehr interessant, ist die positive Entwicklung des Second-Hand-Markts. Wie aus einer Meldung des Bundesverbands für E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) hervorgeht, greifen immer mehr Verbraucher:innen auf den Kauf und die Nutzung von gebrauchten, reparierten oder geliehenen Waren zurück. Sogenannte „preloved goods“ erfreuen sich in Deutschland demnach immer größerer Beliebtheit: unter den 19- bis 29-Jährigen gaben 18,4 Prozent der Befragten an, „häufiger“ und 31,9 Prozent „gelegentlich“ gebrauchte Produkte im Internet zu bestellen. Dieser Trend wird sich wohl auch 2024 fortsetzen.

Trend 5: Social Commerce

Soziale Medien werden weiterhin eine wichtige – wenn nicht zentrale – Rolle im Online-Handel spielen. Plattformen wie Instagram oder TikTok werden höchstwahrscheinlich ihre Einkaufsfunktionen erweitern, um es Verbraucher:innen zu ermöglichen, Produkte direkt über die Plattformen zu kaufen. Auch hier macht es Sinn, sich als Online-Händler:in frühzeitig damit auseinanderzusetzen und die eigenen Produkte bestmöglich in die Plattformen zu integrieren.

Trend 6: Same-Day-Delivery und Lieferdrohnen

Die Liefergeschwindigkeit wird weiterhin ein wichtiger Faktor im E-Commerce sein. Online-Händler:innen können ihre Logistikprozesse optimieren, um Same-Day-Delivery in bestimmten ausgesuchten Regionen anzubieten. Zudem könnten zukünftig auch Lieferdrohnen verstärkt eingesetzt werden, um Pakete schnell und effizient zu liefern. Der Bundesligist Darmstadt 98 nimmt beispielsweise bereits an dem Pilotprojekt des Lieferdrohnen-Dienstes „Wingcopter“ teil und verschickt Fanartikel des Online-Shops an Kund:innen via Lieferdrohne.

Trend 7: Personalisierung & Individualisierung

Online-Händler:innen sollten verstärkt auf personalisierte Angebote setzen, um die Kund:innenbindung zu stärken. Durch die Analyse von Kund:innendaten mithilfe von entsprechender Software oder auch KI-Tools könnt ihr maßgeschneiderte Empfehlungen und personalisierte Werbung anbieten.

Trend 8: Das Website-Design der Zukunft?

Die klassischen Website-Designs von Online-Händler:innen oder Online-Verkaufsplattformen gehören inzwischen zum durchschnittlichen Standard. Es gilt aus der Masse herauszustechen und genau das kann sich für viele Anbieter:innen dieses Jahr ändern: Adobe hat erst vor kurzem 24 mit Preisen ausgezeichnete Website-Designs vorgestellt, an denen sich auch Online-Händler:innen orientieren sollten: Interaktivität und Kreativität werden in einer dreidimensionalen Erfahrung vereint, die Customer Experience soll durch Scroll- und Wischbewegungen – sowohl am Laptop als auch am Handy – optimiert werden. So kann man durch digitale Lagerräume scrollen, dabei Produkte auswählen und sich direkt Informationen anzeigen lassen und natürlich bestellen. Essenziell dabei ist allerdings eine gute technische Umsetzung und ein flüssiges Kund:innenerlebnis.

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© iStock via metamorworks

In der pulsierenden Welt des Online-Handels sind ständige Veränderungen und schnelle Entwicklungen an der Tagesordnung. Fast täglich gibt es neue Trends, technologische Innovationen oder neue Tools, die die Art und Weise, wie wir online einkaufen, prägen und verändern können. Wer hier den Anschluss verliert, könnte die nächste große Innovation oder den künftig marktbestimmenden Verbraucher:innentrend verpassen: Von neuen Technologien bis hin zu sich wandelnden Kund:innenbedürfnissen – die Branche des E-Commerce ist ein Spiegel unserer digitalisierten Gesellschaft. Wir tauchen deshalb für euch in die Tiefen dieses facettenreichen Marktes ein, filtern die Flut an Informationen und präsentieren euch präzise das Wesentliche.

Wir haben es uns 2024 zur Aufgabe gemacht, euch auf relevante News, wegweisende Entwicklungen und aufkommende Trends hinzuweisen, mit denen ihr eure Strategien schärfen oder einfach nur euer Wissen erweitern könnt. Mit unserem Rundum-Blick auf den Online-Handel bleibt ihr nicht nur informiert, sondern auch inspiriert, um in der vernetzten Welt des E-Commerce stets einen Schritt voraus zu sein. Bleibt auf dem neuesten Stand, denn ein informierter Klick kann den Unterschied ausmachen!

AI-Act

Als Teil der digitalen Strategie der Europäischen Union hat sich das Europaparlament in Zusammenarbeit mit den EU-Staaten am 9. Dezember 2023 auf den sogenannten „AI-Act“ geeinigt: Das weltweit erste KI-Gesetz soll zur strengeren Regulierung von künstlicher Intelligenz beitragen und so die Sicherheit und Rechte der Bürger:innen besser schützen. Es stehen noch die formelle Annahme des Parlaments und des Rats aus, bevor das Gesetz schließlich ratifiziert und endgültig zu EU-Recht wird.

Payback Pay

Im Bereich des mobilen Zahlungsverkehrs hat sich auch in Deutschland etwas getan: Payback Pay ist nun in die DM-App integriert worden, was den Zahlungsprozess für Kund:innen des Drogeriemarktes noch bequemer macht.

Konsum & Nachhaltigkeit

Trotz sich ändernden Konsumverhaltens und wachsenden Umweltbewusstseins bleibt unverpacktes Einkaufen bei den Deutschen weitgehend unbeliebt. Laut einer Yougov-Umfrage haben nur 22 Prozent der Verbraucher:innen schon mal unverpackt eingekauft, während nur fünf Prozent der Befragten angegeben haben, regelmäßig unverpackte Waren einzukaufen.

Drohnenlieferung ist da!

Eine futuristische Note bekommt der Versandhandel durch den Bundesligisten Darmstadt 98, der nun beginnt, Fanartikel via Drohnenlieferdienst „LieferMichel“ zu versenden. Dies könnte bereits ein Vorgeschmack auf zukünftige Liefermethoden von verschiedenen Anbieter:innen sein.

Hinweisgeberschutzgesetz

Indes beklagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen, dass sich große Internetplattformen nicht an den neuen Digital Services Act halten, wodurch Verbraucher:innenrechte noch immer nicht ausreichend geschützt seien. Parallel dazu wird außerdem mit dem Hinweisgeberschutzgesetz angestrebt, interne Meldestellen in kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Pflicht zu machen, um so Whistleblower besser schützen zu können.

Kostspielige Retouren

Eine aktuelle Studie des Retail Institutes hat herausgestellt, dass Retouren für Unternehmen immer noch eine teure Angelegenheit sind und durchschnittlich zwischen fünf bis zehn Euro pro zurückgeschickten Artikel zusätzliche Kosten verursachen. Das unterstreicht die Notwendigkeit effizienter und nachhaltiger Lösungen in der Logistik.

Wachsende Konkurrenz im E-Commerce

Chinesische Plattformen wie Alibaba, Shein, Temu oder Wish sind bereits fest im europäischen Markt etabliert. Jetzt will mit TikTok der nächste Social-Media-Gigant mit seinem eigenen Onlinemarkt mit einsteigen. Die Anzeichen einer geplanten Einführung noch in diesem Jahr verdichten sich.

Vorsicht geboten bei Temu

Die Verbraucherzentrale warnt Kund:innen davor, beim chinesischen Online-Shop Temu einzukaufen. Grund dafür sind Konsequenzen bei beschädigter oder defekter Ware. Denn in diesem Fall greift die Produkthaftung für den Onlineriesen nicht. Da die Ware aus dem außereuropäischen Ausland kommt, stehen Importeure für jegliche Mängel gerade und im Fall von Temu wären diese dann die Privatkunden selbst.

Die E-Commerce-Branche steckt in der Krise

Handelsexpert:innen prognostizieren ein schwieriges Jahr für Online-Händler:innen. Die Inflation hinterlässt auch ihre Spuren im deutschen Online-Handel: So zeigt eine Umfrage der Digitalberatung „Etribes“ unter 614 Konsument:innen, dass der Preis das wichtigste Kriterium bleibt, während gleichzeitig aber die Lieferzeit als Faktor in der Rangfolge abgerutscht ist. Kund:innen sind inzwischen dazu bereit, deutlich länger zu warten, vorausgesetzt, sie erhalten dafür einen merklich günstigeren Preis. Das wiederum gibt chinesischen Plattformen wie Temu oder Shein Aufwind, da diese Faktoren genau in ihre Geschäftsmodelle hineinspielen.

Community Building mit Galaxus

Digitec Galaxus erlaubt Kund:innen, falsche oder unvollständige Produktdaten selbstständig auszubessern beziehungsweise einzupflegen.

Cybercrime

Die Spezialstaatsanwaltschaft verzeichnete 2023 rund 18.000 Cybercrime-Fälle und damit einen Anstieg von knapp 3.000 Fällen im Vergleich zum Vorjahr. Investitionen in Cybersecurity bleiben somit weiterhin das A und O für Online-Händler:innen.

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Neues Jahr, neue Regeln – zum Jahreswechsel hat sich einiges für Unternehmer:innen geändert: Das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (kurz: MoPeG) ist in Kraft getreten. Ziel der Reform ist die Anpassung des – zu großen Teilen mehr als 100 Jahre alten – Rechts der Personengesellschaften an moderne und zeitgemäße Bedürfnisse. Wen genau die Reform betrifft, was die wichtigsten Neuerungen sind und wo jetzt Handlungsbedarf besteht, haben unsere ETL-Rechtsanwälte hier für euch zusammengefasst.

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Habt ihr euch auch schon euren Spotify-Jahresrückblick angesehen? Wir in der fynax-Redaktion haben das getan und dachten uns dabei: warum werfen nicht auch wir einen Blick zurück auf unser Jahr? Und genau das möchten wir gemeinsam tun: zurückblicken auf ein Jahr voller spannender Projekte, neuer Teammitglieder:innen und erfolgreicher Kooperationen. Von Messeteilnahmen, über die Entstehung unseres eigenen TikTok-Kanals, bis hin zu unseren Top-Artikeln aus dem fynax-Blog, wir haben eine bunte Mischung an Inhalten für euch aufbereitet und präsentieren euch unsere persönlichen Highlights des Jahres 2023.

Unsere Highlights 2023

Es war ein ereignisreiches Jahr für uns bei fynax und gleich zu Beginn konnten wir unseren neuen Kollegen Fatih-Kagan Taskoparan hier bei uns in der Redaktion willkommen heißen! Gemeinsam mit dem fynax-Team sind wir außerdem auf vielen verschiedenen E-Commerce-Messen, wie beispielsweise der E-Commerce Berlin Expo, dem Amazon Seller Day oder dem Finance E-Commerce Day, vertreten gewesen und standen dort auch regelmäßig als Speaker:innen auf der Bühne. Die besten Impressionen haben wir für euch hier beigefügt.

Ein Highlight für uns war das OMR-Festival in Hamburg: Mit Weltstars wie Serena Williams und vielen bekannten Influencer:innen wie Pamela Reif, REZO und Cathy Hummels, oder dem bekannten Podcast Duo Lanz & Precht, lockte das Festival für zwei Tage über 70.000 Besucher:innen nach Hamburg. Auch unsere fynax-Leiter:innen Saravanan Sundaram und Nadja Müller (StB) sowie Steuerassistent Tim Hütte gaben ihr Fachwissen zum Besten und holten das Publikum zu steuerlichen Themen im Rahmen von Amazon FBA und Dropshipping ab – Hier geht´s zum kompletten Video!

Ein weiterer Höhepunkt war unsere Kooperation mit Deutschlands führender TikTok-Agentur totally und dem schrittweisen Aufbau unserer eigenen TikTok-Präsenz. Aber apropos Spotify-Jahresrückblick – wir hatten dieses Jahr auch einige sehr interessante Gäste in unserem Podcast-Format „Thanks for Shopping!“. Jakob Stehlow hat uns zum Beispiel alles Wichtige zum Thema Meta und TikTok Ads erzählt, während Zollexperte Markus Bitzer uns zu Do´s and Dont´s bei der Verzollung von Waren und Produktsendungen für Online-Händler:innen abgeholt hat. Hört gerne hier rein und lasst euch zu allen Themen rund um den E-Commerce abholen.

Auch in unserem fynax-Blog hat sich viel getan! Wir sind in die Analytic-Tools gegangen und haben für euch die meistgeklickten Blogbeiträge zusammengetragen. Am meisten interessiert haben euch die E-Commerce-Trends 2023, unser Galaxus-Exklusivinterview mit Schweizer Steuer- und Treuhandexperte Dominik Baldegger und unser E-Commerce-Trendausblick auf das Jahr 2024.

Zu guter Letzt wollen wir aber auch die Gelegenheit nutzen und uns bei allen Leser:innen unseres fynax-Blogs bedanken. Auch im neuen Jahr werden wir wieder für euch da sein und euch mit aktuellen Beiträgen rund um den E-Commerce versorgen. Unsere Podcast-Reihe „Thanks for Shopping!“ wird außerdem in die vierte Staffel gehen. Bis dahin wünschen wir euch ein besinnliches Fest, schöne Feiertage und ein frohes neues Jahr 2024!

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© iStock via vitacopS

Import und Export, Versand und Bestellungen rund um den Globus – die Möglichkeiten, die das Internet dem Online-Handel heutzutage bietet, sind fast grenzenlos. Auch deswegen streben viele Online-Händler:innen eine internationale Expansion an: Einerseits, um ihre Produkte und Dienstleistungen einem größeren Kund:innenkreis anbieten zu können, andererseits um ihre Umsätze und ihren Kund:innenstamm weiter zu erhöhen. Doch wie meistern Sie die Herausforderungen, die mit der Expansion ins Ausland einhergehen? Von der Anpassung der Website an die kulturellen Unterschiede im Zielland bis hin zur Beachtung der rechtlichen Bestimmungen – es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen. Wir haben euch die wichtigsten Informationen, die es zu beachten gilt, zum E-Commerce-Erfolg im Ausland hier bei uns im fynax-Blog zusammengefasst.

1. E-Commerce von regional zu global: was es zu beachten gilt

Eine internationale Expansion im E-Commerce kann für Online-Händler:innen eine bedeutende Chance darstellen, um ihr Geschäft zu erweitern, neue Kund:innen zu gewinnen und den Umsatz beträchtlich zu steigern. Allerdings gibt es auch Herausforderungen, die beachtet werden müssen. Im Folgenden gehen wir auf die größten Stolpersteine ein und zeigen euch, wie ihr diese umgehen könnt.

2. Die Wahl des richtigen Markts

Die Auswahl der richtigen Märkte für dein Produkt ist eine der wichtigsten Säulen für den Erfolg im Ausland. Dabei geht es nicht nur darum, potenzielle Absatzmärkte für dein Produkt zu identifizieren, sondern auch um die Berücksichtigung von kulturellen Unterschieden und lokalen, womöglich rechtlichen Vorschriften. Eine Marktanalyse und Auswertung von Daten wie beispielsweise die meistbesuchten Onlineshops oder die meistgesuchten Produkte in bestimmten Ländern könnte dir bereits dabei helfen eine erste Richtung und ein erstes Feeling für den gewünschten Auslandsmarkt zu erhalten: So sind manche Produkte in bestimmten Ländern attraktiver als andere. Es geht also auch darum, die Bedürfnisse und Vorlieben potenzieller Kund:innen in verschiedenen Ländern besser zu verstehen und dein Angebot entsprechend anzupassen bzw. zu „kulturalisieren“.

Auch eine den Vorlieben entsprechend angepasste Zahlungsabwicklung sowie effiziente Logistik- und Versandoptionen sind essenziell für einen international erfolgreichen E-Commerce-Auftritt. Durch die Auswahl von favorisierten Dienstleistungen und Zahlungsanbieter:innen schaffst du Vertrauen zu deinem neuen Kund:innenstamm und sorgst für Authentizität in deinem Onlineshop.

3. Website & Angebot

Mindestens genauso wichtig wie die Auswahl des korrekten Markts ist auch die Konfiguration deiner Website. Denn auch hier sollten Online-Händler:innen ihr Angebot an die lokalen Märkte anpassen, das heißt im Detail, Inhalte in die Landessprache übersetzen und kulturelle Unterschiede bei der Produktauswahl und im Marketing berücksichtigen. 

4. Die Wahl der Zahlungsabwicklung

Eine weitere wichtige Herausforderung ist die Wahl der Zahlungsabwicklung. Du solltest sicherstellen, dass die Kund:innen in deinem gewählten Zielland auch mit den dort favorisierten Zahlungsmethoden bezahlen können. So sind PayPal, Kreditkartenzahlungen oder Apple Pay in den Vereinigten Staaten weitaus ausgeprägtere Zahlungsmethoden als in anderen Ländern. Amazon hat beispielsweise in Deutschland eine eigene Zahlungsoption namens Amazon Pay eingeführt, um den Kaufprozess für deutsche Kund:innen zu vereinfachen – nichtsdestotrotz variieren die genutzten Zahlungsdienstleister:innen von Land zu Land.

5. Auswahl deiner Logistik- und Versandoptionen

Die Auswahl geeigneter Logistik-Partner:innen für deinen Versand ist essenziell. Amazon bietet hierfür beispielsweise das „Fulfillment by Amazon“- Programm an, welches Händler:innen ermöglicht, ihre Logistik auszusourcen. Auch hier bietet es sich aber immer an, sich nicht alleine auf eine:n Dienstleister:in zu verlassen sondern verschiedene Optionen in Betracht zu ziehen. Anfallende Versandkosten müssen in die Preisgestaltung miteinbezogen werden und vor allem deinen Versandprozess dabei unterstützen, eine schnelle Lieferung sowie eine unkomplizierte Rückgabe zu gewährleisten.

6. Fazit

Eine gut durchdachte und geplante Expansion ins Ausland bietet zahlreiche Vorteile für dein E-Business. Durch die Erweiterung des Marktes kannst du deinen Umsatz steigern und neue Kund:innen erreichen. Zudem eröffnen sich weitere Möglichkeiten zur Diversifizierung deines Geschäfts sowie zur Nutzung von Wachstumspotenzialen in anderen Ländern. Eine internationale Präsenz stärkt darüber hinaus dein Unternehmensimage und bietet Chancen für viel Innovation in deinem Core-Business. Trotzdem sind eine detaillierte Marktanalyse im Zielland sowie die Anpassungsfähigkeit deiner Marketingstrategie an regionale bzw. kulturelle Gepflogenheiten das A und O für den Erfolg deines E-Business.

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© iStock via PeopleImages

Buy now pay later, Gamification im Online-Handel, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und das Zukunftspotential von Live-Shopping – zu Jahresbeginn haben wir euch einige wichtige E-Commerce-Trends für das Jahr 2023 vorgestellt. Da inzwischen gut acht Monate vergangen sind, ist es an der Zeit für eine erste Auswertung und Bestandsanalyse: Welche Trends behaupten sich auf den großen Online-Plattformen? Und ist mit der stetigen Weiterentwicklung von KI und Automatisierungsbestreben mit einem nachhaltigen Wandel des E-Commerce zu rechnen? In diesem Artikel gehen wir unter anderem auf diese Themen ein und erklären, welche E-Commerce-Trends sich in der Branche durchsetzen konnten und welche nicht.


Buy Now Pay Later

Das Bezahlmodell ganz nach dem Prinzip „Jetzt kaufen, später zahlen“ setzt sich zunehmend in Deutschland und Europa durch. Anbieter wie Klarna, PayPal, Affirm oder Afterpay sind nur einige wenige Beispiele, die bei deutschen Nutzer:innen besonders beliebt sind. Das flexible Bezahlmodell ermöglicht es Verbraucher:innen, ihre Online-Einkäufe in Raten zu bezahlen, anstatt den vollen Betrag sofort zu entrichten. Besonders attraktiv dabei: Kund:innen können diese flexible Bezahlmethode oft auch ohne zusätzliche Zinsen oder Gebühren in Anspruch nehmen.

Das Modell erfreut sich nicht nur bei Endverbraucher:innen wachsender Beliebtheit, sondern auch bei Online-Händler:innen selbst. Die Integration einer BNPL-Funktion in den eigenen Webshop kann nämlich dazu beitragen, Konversionsraten zu erhöhen und den Umsatz deines Shops bedeutend zu steigern.

Cybercrime

Cyberkriminalität ist infolge der Technisierung und Digitalisierung ein flächendeckendes Sicherheitsproblem im Online-Handel geworden. Doch gleichzeitig bietet das auch Unternehmen und Dienstleister:innen die Chance, Produkte für Cybersecurity weiterzuentwickeln und auf den Markt zu bringen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Cyberkriminalität & Cybersecurity nicht nur 2023 oder im Folgejahr ein zentrales Thema spielen werden, sondern auch im kommenden Jahrzehnt. Denn mit zunehmendem Wachstum des E-Commerce, verstärkter Nutzung von digitalen Zahlungsmethoden und neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz werden auch automatisch neue Sicherheitslücken geöffnet, die von Cyberkriminalität betroffen sein könnten.

Um dem entgegenzuwirken, werden nicht nur Unternehmen oder Online-Plattformen, sondern auch Regierungen verstärkt in die Verbesserung der Cybersicherheit investieren. Trotzdem, ist es auch für Online-Händler:innen wichtig, frühzeitig selbst Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um ihre persönlichen Daten und Unternehmensdaten bestmöglich zu schützen.

KI und die Automatisierung der Lieferketten

Die jüngsten Entwicklungen in der Branche zeichnen ein relativ eindeutiges Bild: Künstliche Intelligenz wird aller Voraussicht nach eine große Rolle im E-Commerce spielen. Besonders auch bei der Automatisierung der Lieferketten und Logistik, denn KI-Technologien können durch maschinelles Lernen, Datenanalyse und Robotik dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und die Lieferkettensicherheit zu verbessern.

Die Vorteile der KI-Automatisierung in den Lieferketten und der Logistik sind vielfältig: Durch den Einsatz von KI können Unternehmen beispielsweise ihre Nachfrageprognosen verbessern, um ihre Lagerbestände zu optimieren und somit Engpässe zu vermeiden. Außerdem kann KI bei der Routenplanung und Optimierung von Transportwegen helfen, um Lieferungen schneller und kostengünstiger zu machen. Auch wenn vielleicht jetzt noch flächendeckend undenkbar, werden KI-gesteuerte Roboter und Drohnen zukünftig in der Lagerhaltung und beim Versand eine große Rolle spielen, da sie dabei helfen können manuelle Aufgaben zu automatisieren und die Effizienz nachhaltig zu steigern.

Gamification:

Ein großes Fragezeichen steht noch immer hinter dem Gamification-Ansatz. Die Vorteile einer gut durchdachten Gamification-Strategie liegen auf der Hand, denn neben einer verstärkten Kund:innenbindung, sorgt auch die Integration von Gamification-Elementen und Funktionen für mehr Interaktion in deinem Online-Shop und einem positiverem Einkaufserlebnis für Nutzer:innen. Aber spielt Gamification in Deutschland überhaupt eine Rolle? Um es schnell auf den Punkt zu bringen: Ja.

Viele Unternehmen nutzen gamifizierte Elemente, um Kund:innen auf ihrer Plattform zu binden, ihre Interaktion zu fördern und damit den Umsatz zu steigern. Aber wie genau funktioniert das Prinzip? Online-Plattformen wie Nike, VW oder auch die Lufthansa nutzen gamifizierte Elemente in ihrem Webauftritt mithilfe von Punktesystemen, Belohnungen, Ranglisten, oder Herausforderungen, Badges und virtuellen Währungen. Diese Elemente sollen dabei helfen den Kunden zu motivieren, mehr Zeit auf der Website zu verbringen, häufiger einzukaufen und bestimmte festgelegte Ziele zu erreichen. Die Unternehmen nutzen Gamification auch um Markenloyalität aufbauen, indem sie den Nutzer:innen ein unterhaltsames und interaktives Einkaufserlebnis bieten.

Lasst uns kurz auf ein paar veranschaulichende Beispiele von Unternehmen in Deutschland eingehen, die Gamification bereits erfolgreich integriert haben:

  1. Deutsche Bahn: Die Deutsche Bahn hat eine App namens „DB Navigator“, die Gamification-Elemente wie Punkte, Ranglisten und Belohnungen verwendet, um Kund:innen zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs zu animieren.
  2. Volkswagen: Volkswagen hat eine App namens „Think Blue. Challenge“, bei der Fahrer:innen durch umweltfreundliches Fahren Punkte sammeln können. Diese Punkte können dann gegen verschiedene Belohnungen eingelöst werden.
  3. SAP: SAP besitzt eine interne Plattform namens „SAP Community Network“, die Gamification-Elemente wie Badges, Punkte und Ranglisten verwendet, um Mitarbeiter:innen zur aktiven Teilnahme an Diskussionen und Wissensaustausch zu motivieren.
  4. Telekom: Die Deutsche Telekom hat eine App namens „Sea Hero Quest“, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen entwickelt wurde, um Daten über das menschliche Orientierungsvermögen zu sammeln. Die App nutzt Gamification-Elemente, um Spieler:innen zu motivieren, verschiedene Aufgaben im Spiel zu erfüllen.
  5. Lufthansa: Die Lufthansa hat das weit bekannte Vielfliegerprogramm namens „Miles & More“, bei dem Kund:innen durch das Sammeln von Flugmeilen verschiedene Statusstufen erreichen können. Diese Stufen bieten verschiedene Vorteile und Belohnungen, um Nutzer:innen zur Treue zu motivieren.

Wie kannst du Gamification in deinen Webshop integrieren?

Alles schön und gut. Aber wie können Online-Händler:innen, die nicht gerade Teil der Global Brands sind, den Ansatz für sich selbst nutzen? Sobald du als Händler:in deinen Kund:innenstamm aufgebaut hast, kannst du jederzeit Gamification Elemente in deinen Webshop einfließen lassen. Lass dir von Website- und IT-Spezialist:innen dabei helfen, spielerische Elemente wie Punktesysteme, Belohnungen oder Ranglisten und Herausforderungen in deinen Shop zu integrieren. Damit steigerst du die Wahrscheinlichkeit, dass Kund:innen erneut bei dir einkaufen, um sich Vorteile zu sichern, Punkte zu sammeln oder Belohnungen zu erhalten.

Gleichzeitig erhöhst du damit den Traffic und die Interaktion in deinem Webshop. Spielerische Elemente wie Quizfragen, Rätsel oder interaktive Spiele animieren deine Kund:innen dazu länger auf deiner Website zu verweilen und sich intensiver mit den Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen. Doch auch die Produktpräsentation kann mit Gamification viel interaktiver gestaltet werden. Virtuelle Anproberäume und 3D-Produktvisualisierungen bieten eine Verbesserung des Einkaufserlebnisses und helfen deinen Kund:innen bei der Kaufentscheidung.

Gamification & Datenanalyse?

Ein oft übersehener Punkt ist der Mehrwert der Datenanalyse durch Gamification. Denn der Ansatz kann Nutzer:innen dazu motivieren, bestimmte Aktionen durchzuführen, wie beispielsweise das Ausfüllen von Umfragen, das Verfassen von Bewertungen oder das Teilen von Produkten in sozialen Medien. Durch Belohnungen oder Wettbewerbe werden sie dazu ermutigt, diese Aktionen durchzuführen, was wiederum dem Unternehmen und der Datenanalyse zugutekommt. Durch die erhöhte Interaktion auf deiner Website können damit Daten über das Verhalten und die Vorlieben deiner Kund:innen gesammelt werden. Anhand der Analyse dieser Daten können Unternehmen dann personalisierte Angebote und Empfehlungen erstellen, um das Einkaufserlebnis noch weiter zu verbessern.

Live-Shopping

Live-Shopping! Der Megatrend aus dem asiatischen Raum hat sich noch nicht im selben Ausmaß in Europa etablieren können. Nichtsdestotrotz hat Live-Shopping ein großes Potential sich als Trend im E-Commerce durchzusetzen, denn vor allem Verbraucher:innen der Generation Z suchen nach neuen und interaktiveren Einkaufserlebnissen. Live-Shopping bietet die Möglichkeit, genau diese Fokusgruppe abzuholen und Produkte in Echtzeit zu präsentieren und zu verkaufen, während Kund:innen direkt mit den Verkäufer:innen interagieren können.

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Unternehmen auf Live-Shopping spezialisiert und bieten ihren Kund:innen die Möglichkeit, Produkte in Echtzeit über Live-Streams zu kaufen. Dieser Trend hat insbesondere während der COVID-19-Pandemie an Bedeutung gewonnen, da viele Menschen vermehrt online einkaufen und nach neuen Einkaufserlebnissen suchen. Bei HSE24 und QVC beispielsweise ist Live-Shopping im Internet via Livestream bereits ein fest etablierter Bestandteil des Geschäfts. Doch auch die Plattform Shopstream ermöglicht es Unternehmen inzwischen Live-Shopping Events zu veranstalten und somit ihre Marken zu pushen.


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  • Markus Bitzer, ehemaliger Zollfahnder, weiß wie die Zollbehörde tickt und arbeitet. Er selbst war dort 17 Jahre tätig. Mit seiner Erfahrung und Expertise berät er jetzt unter anderem Steuerberater:innen, Rechtsanwält:innen und Unternehmer:innen, damit diese nicht von Zollprüfungen überrascht und Nachforderungen ausgesetzt sind.
  • Nadja Müller ist Steuerberaterin und Head of E-Commerce bei fynax. Nach verschiedenen Stationen bei großen Wirtschaftsprüfungen, hat sie sich einige Jahre intensiv mit den steuerrechtlichen Thematiken rundum Online-Handel beschäftigt. Seitdem lässt sie das Thema nicht mehr los. Neben ihrer eigenen Kanzlei und ihrer Funktion bei fynax, ist sie Co-Host beim fynax-Podcast „Thanks for Shopping“ (prod. von Podstars by OMR).

Ob die langersehnten Sneaker oder das neue Haushaltsgerät, das man aus einem Drittland bestellt hat – es gibt viele Situationen, in denen man Informationen zum Zoll benötigt, unabhängig ob Händler:in oder Verbraucher:in. Wir haben daher Zollexperten Markus Bitzer und E-Commerce-Steuerberaterin Nadja Müller zum Thema Zoll und Steuern befragt: Welche Regeln gelten denn bei der Verzollung von Internetbestellungen? Welche Steuern muss ich als Händler:in im Zielland bezahlen? Und was sind die größten Stolpersteine bei der Verzollung und wie vermeidet man sie?

Welche Regeln gelten bei der Verzollung von Internetbestellungen?

Markus Bitzer: Zu Beginn muss gleich differenziert werden: Wer genau bestellt die Ware? Handelt es sich um einen normalen Kunden, der von zu Hause etwas aus dem Ausland bestellt oder geht es um den Händler, der Waren importiert? Handelt es sich um den Händler, muss immer die festgelegte Obergrenze von 150 Euro beachtet werden. Ist der Warenwert geringer, dann fallen in der Regel auch keine Zollgebühren an und die Ware ist entsprechend nicht zollpflichtig. Wird der Warenwert hingegen überschritten, muss eine Zollanmeldung vorliegen, die entweder über das Internet oder über Speditionen und Zollagenturen erstellt werden kann.

Nadja Müller: Steuerrechtlich muss immer zwischen Export und Import unterschieden werden. Werden Waren importiert, ist die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Das ist die Steuer, die bei der Einfuhr von Waren aus Drittländern erhoben wird. Diese kann man sich immer dann erstatten lassen, sofern man vorsteuerabzugsberechtigt ist. Ein Export in ein Drittland ist grundsätzlich steuerfrei, da die Ware vor Ort mit den Zoll- und Steuerregularien des jeweiligen Landes belastet wird.

Wie kann man sich die Verzollung von Waren vorstellen?

Markus: Auch hier muss zwischen dem Privatbesteller und dem Händler, der in Mengen bestellt, unterschieden werden. Bekommt ein Privatbesteller seine Ware zugeschickt und der Händler hat sich nicht um die Verzollung gekümmert, wird beim Zoll geprüft, ob eine Anmeldung vorliegt oder nicht. Falls diese nicht vorliegt, wird die Sendung angehalten. Der Zoll prüft dann, ob eine Rechnung beiliegt und kontrolliert den Wareninhalt. Anschließend wird der Käufer kontaktiert und aufgefordert, eine Online-Zollanmeldung vorzunehmen, da die Freigabe erst danach erfolgen kann.

Im gewerblichen Sektor dagegen muss immer eine Zollanmeldung erfolgen. In der Regel geht es hier fast immer um Mengenbestellungen. Diese müssen, beispielsweise mithilfe von Spediteuren oder Zollagenturen, durch entsprechende Zollanmeldungen gekennzeichnet sein.  

Als Import-Händler muss man für den Export von Waren, deren Wert 1.000 Euro übersteigen, zusätzlich eine Ausfuhranmeldung vornehmen, um die Warensendung und die Einfuhr im Zielland vernünftig zu unterstützen.

Welche Dokumente werden für die Zollanmeldung benötigt?

Markus: Das hängt vom Transportweg ab. Was generell aber immer zwingend benötigt wird, ist die echte Handelsrechnung. Keine pro-forma- oder Zollrechnung, sondern die originale Handelsrechnung. Dazu kommen noch Packlisten und Frachtkostenrechnungen, und ab einem Wert von 10.000 Euro gibt es außerdem das DV1-Sonderblatt, das ausgefüllt werden muss.

Nadja: Aus steuerlicher Sicht gibt es keine zusätzlichen Dokumente, die eingereicht werden müssen. Auf jeden Fall sollte man die Ausfuhrpapiere aufheben und dokumentieren. Der Zoll bestimmt, welche Dokumente notwendig sind und genau die müssen im Prüfungsfall auch für die Steuer bereitgehalten werden. Wie Markus bereits erwähnt hat, ist die Handelsrechnung das wichtigste Dokument. Das brauchen Steuerberater in jedem Fall, um ordnungsgemäß abzurechnen. Zusätzlich fallen sonst aber keine Verpflichtungen an; die Faustregel lautet: offizielle Zollunterlagen sind auch für Steuerberater ausreichend.

Zudem wissenswert ist, dass Steuerunterlagen dieselben Aufbewahrungsfristen haben wie Zollunterlagen. Zehn Jahre sollte alles, was mit der Ausfuhr und Einfuhr von Waren zu tun hat, aufbewahrt werden.

Was hat es mit der EORI-Nummer auf sich?

Markus: Die sogenannte „EORI“-Nummer ist der englische Begriff der früheren Zollnummer und steht für „Economic Operater Registration Identification“. Das ist eine EU-weit gültige und einheitliche Identifikationsnummer, die jeder Händler braucht, der regelmäßig und gewerblich importiert und exportiert. Die Nummer muss zwingend in dem Land beantragt werden, in dem die Person ansässig ist. Aber: Auch bei Privatpersonen, die mehr als zehn Zollanmeldungen pro Jahr durchführen, empfiehlt es sich eine EORI-ID zu haben. Die Beantragung erfolgt kostenlos online und ist dabei relativ simpel, unproblematisch und schnell gemacht.

Die EORI-Nummer, die in einem Mitgliedsstaat der EU zugeteilt wird, gilt für alle Zollhandlungen innerhalb der Union. Außerhalb der EU entfaltet die ID-Nummer keine Wirkung.

Wie wird der Warenwert bei der Verzollung ermittelt?

Markus: Es gibt ein paar Regeln, wie man die Berechnung vornimmt, allerdings ist der Prozess durchaus komplex: Die Standardregelung besagt, dass der Handelspreis bzw. der vereinbarte Kaufpreis zum Zeitpunkt der Einfuhr als Grundlage gelten. Dieser muss dann aber wiederum an den Lieferweg und die Transportkosten angepasst werden – und der variiert je nach Lieferung, EU-Land oder Drittstaat.

Außerdem gibt es noch Provisionen und weitere Kosten, die als Faktoren auftreten können; es existiert hierzu eine Liste für Zu- und Abrechnungen, an der man sich orientieren kann. Frachtkosten und der Handelspreis sind die Basis des zu ermittelnden Zollwerts, der dann wiederum mit dem Zolltarif verrechnet wird. Mit der richtigen Zolltarifnummer erhält man einen Prozentsatz an zu entrichtenden Zollgebühren zugeteilt. Diese Werte müssen schließlich addiert und mit der Einfuhrumsatzsteuer verrechnet werden, um letztendlich auf den Gesamtwert zu kommen.

Welche Steuern muss ich als Händler:in im Zielland bezahlen?

Nadja: Grundsätzlich exportiert man Waren erst einmal steuerfrei und muss dann im Zielland die sogenannte Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Hier kommt es dann auf das jeweilige Zielland und dessen steuerrechtlichen Pflichten an.

Markus: Aus der Perspektive des Zolls kommt es immer auf die Art der Warensendung an. Generell gibt es immer Verbrauchssteuern bei bestimmten Produkten. Beispielsweise fällt die Alkoholsteuer an, wenn man sich einen Whiskey im Ausland bestellt. Bei einer Kaffeebestellung wird die Kaffeesteuer berechnet und so fort. 

Wie wird die Umsatzsteuer beim Import und Export von Waren behandelt?

Nadja: Hier kommt immer der Steuersatz des jeweiligen Landes zur Geltung. Wenn man Waren nach Deutschland importiert, fallen grundsätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer an, doch gibt es auch hier Ausnahmen und bei bestimmten Waren einen reduzierten Steuersatz. Geht es um einen Warenexport, muss immer geprüft werden, welcher Steuersatz in dem Zielland vorherrscht, in der EU ist das aber meist derselbe Steuersatz.

Welche Waren können bei der Verzollung ermäßigt oder gänzlich befreit werden?

Markus: Zollseitig gibt es den anfallenden Zolltarif und eine Liste für Produkte, die grundsätzlich zollbefreit sind. Zollbefreite Waren sind aber meist sehr speziell, wie zum Beispiel Ersatzteile für Flugzeuge oder für Ölbohrplattformen. Querbeet gibt es auch sonstige Ermäßigungen, die aber immer zweckgebunden sind. So sind beispielsweise Fischlieferungen nur dann bei einem Zollsatz von Null einzuordnen, wenn klar ist, dass daraus Fischstäbchen weiterverarbeitet werden. Für eine Vergünstigung müssen immer die entsprechenden Anträge gestellt werden. Hier gibt es viele Abkommen und Übereinkünfte zwischen der EU und Drittstaaten. Dennoch müssen diese immer geprüft werden.

Nadja: In der Umsatzsteuer versucht man sich immer am geltenden Zolltarif zu orientieren. Auch bei uns gibt es Produktlisten mit unterschiedlichen Steuersätzen. Das variiert in jedem Land, und egal ob es sich um einen EU-Staat oder Drittstaat handelt, können diese Steuersätze sehr unterschiedlich sein, da jedes Land das selbst regelt.

Was sind die größten Stolpersteine bei der Verzollung und wie vermeidet man sie?

Markus: Mein absoluter Top-Ratschlag, was Stolpersteine und deren Vermeidung angeht: Verantwortung! Man darf nie vergessen, dass die Zollanmeldung durch Importe oder Exporte im europäischen Rechtsrahmen einer Handelssteuererklärung gleichkommt. Das heißt, man offenbart sich und seine Waren und geht die Verpflichtung ein, alles ordnungsgemäß und richtig anzugeben. Wenn allerdings die Werte, Daten oder generell die Zollanmeldung fehlerhaft ist, dann bewegt man sich sehr schnell im Straftatenbereich und riskiert damit auch eine Steuerhinterziehung. Auch bei der Beauftragung einer Spedition ist und bleibt der Hauptverantwortliche der Händler bzw. die Privatperson. Man ist hier für seine Warensendungen immer selbst haftbar und verantwortlich, daher meine eindringliche Bitte: Übernehmt die Verantwortung früh, setzt euch mit der Thematik auseinander und überprüft eure Angaben.

Mein zweiter Punkt ist eher praktischer Natur: Man sollte im Import- und Exporthandel Daten nicht blind übernehmen. Beispielsweise geben Händler aus dem Ausland oftmals einen sechsstelligen HS-Code einer Tarifnummer an, die die Warensendung im Zielland zuordnet. Diese HS-Nummer aus dem Ausland könnte theoretisch korrekt sein, muss sich aber nicht unbedingt mit dem HS-Code aus Deutschland decken. Auch hier gilt deswegen: Verantwortung übernehmen und die Nummer prüfen, um Bußgeldern und Strafen vorzubeugen.


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