Amazon verändert Warenfluss und Logistik
Share this article
Stand: 8. Oktober 2026
Amazon verändert derzeit mehrere Prozesse entlang des Warenflusses. Neue Anforderungen an Pan-EU-FBA und Prime treffen auf geänderte Rückgabefristen und zusätzliche Lagerlösungen.
Für dich als Online-Händler:in geht es deshalb nicht nur um einzelne Einstellungen. Prüfe, ob deine Angebote, Bestände, Lieferprozesse und Rückgabeangaben noch zusammenpassen. Bei AWD und GWD stellt sich außerdem die Frage, welche Aufgaben Amazon künftig in deiner Lagerlogistik übernehmen soll.
Pan-EU-FBA: Bestehende Angebote auf Amazon.nl prüfen
Seit dem 3. September 2026 ist für alle neuen und bestehenden Pan-EU-FBA-Produkte ein aktives Angebot in den Niederlanden erforderlich. Nur dann können sie für das Programm registriert werden oder weiterhin dessen Vorteile erhalten. Prüfe deshalb im Pan-EU-Statusbericht deines Seller-Central-Kontos, ob für deine Produkte auf Amazon.nl aktive Angebote bestehen. Die Zuordnung erfolgt über die ASIN, also die eindeutige Amazon-Produktnummer.
Ein angelegtes Listing allein reicht jedoch nicht. Ist eines der erforderlichen Angebote inaktiv, kennzeichnet Amazon den Status zunächst als „Registrierung endet bald“. Stellst du die erforderlichen aktiven Angebote nicht innerhalb von 14 Tagen nach der Inaktivierung wieder her, wird die Pan-EU-Registrierung aufgehoben. Der Bericht zeigt außerdem an, wenn ein Listing oder eine ASIN auf einem erforderlichen Marktplatz fehlt.
Die Angebotspflicht allein löst keine Umsatzsteuerregistrierung in den Niederlanden aus. Ob eine Registrierung erforderlich ist, hängt unter anderem davon ab, in welchen Ländern Amazon deine Waren lagert und wie du grenzüberschreitende Verkäufe umsatzsteuerlich behandelst. Prüfe die steuerliche Einordnung deshalb getrennt von der technischen Pan-EU-Berechtigung.
Ab dem 26. Februar 2027 soll bei der Anmeldung für Pan-EU-FBA zusätzlich ein aktives Angebot in Belgien erforderlich sein. Amazon will mindestens 30 Tage vor Inkrafttreten nochmals darüber informieren.
Was jetzt zu tun ist: Filtere im Pan-EU-Statusbericht nach inaktiven oder bald endenden Registrierungen. Prüfe anschließend, ob die erforderlichen Angebote auf Amazon.nl vorhanden und aktiv sind und ob fehlende Preisangaben, fehlender Bestand oder unterdrückte Listings den Angebotsstatus beeinträchtigen.
Quellen: Zu Amazons aktuellen Anforderungen für Pan-EU-FBA and zur Amazon-Hilfe zum Pan-EU-Status
Prime verlangt schnellere Lieferversprechen
Seit dem 7. September 2026 gelten in Deutschland strengere Kriterien für die Prime-Berechtigung. Sie betreffen inländische Angebote für Artikel in Standardgröße und niedrigpreisige Artikel. Amazon berücksichtigt dabei Angebote mit Versand durch Amazon, Versand durch Verkäufer und Amazon Retail.
Von den betroffenen Angeboten müssen:
- 15 Prozent ein Lieferversprechen von maximal einem Tag erfüllen,
- 50 Prozent ein Lieferversprechen von maximal zwei Tagen erfüllen,
- 80 Prozent ein Lieferversprechen von maximal vier Tagen erfüllen.
Amazon hat damit die Schwellen für Ein- und Zwei-Tages-Lieferungen von zuvor 10 auf 15 Prozent beziehungsweise von 45 auf 50 Prozent erhöht. Die Vier-Tage-Schwelle bleibt mit 80 Prozent unverändert.
Bei Versand durch Verkäufer steuerst du selbst, bis wann Bestellungen für den Versand am selben Tag eingehen müssen, wie viel Bearbeitungszeit du hinterlegst und welchen Transportdienstleister du nutzt. Bei FBA übernimmt Amazon die operative Lagerung und den Versand. Du kannst die Liefergeschwindigkeit dort vor allem durch einen ausreichenden Bestand und eine rechtzeitige Nachversorgung unterstützen.
Was jetzt zu tun ist: Prüfe deine aktuelle Lieferperformance und achte darauf, ob der erforderliche Anteil deiner Angebote die neuen Lieferversprechen erfüllt. Bei Versand durch Verkäufer solltest du insbesondere prüfen, ob deine Bestellschluss- und Bearbeitungszeiten realistisch sind und deine Transportdienstleister zuverlässig liefern. Bei FBA kommt es vor allem darauf an, Bestandslücken zu vermeiden und rechtzeitig nachzuliefern. Amazon empfiehlt ausdrücklich, die Lieferperformance zu überprüfen und erforderliche Anpassungen vorzunehmen.
Quellen: Zur Amazon-Mitteilung über die Prime-Kriterien ab 7. September 2026 and zu den Voraussetzungen für die Prime-Berechtigung
Rückgabefristen: 30 Tage sind nicht mehr überall Standard
Seit dem 1. September 2026 gilt Amazons freiwillige 30-Tage-Rückgabegarantie in zahlreichen Produktkategorien nicht mehr automatisch. Nach Angaben des Händlerbundes betrifft die Änderung unter anderem Beauty, Drogerie und Körperpflege, Garten, Haustierbedarf, Möbel, Lebensmittel, Reifen und Musikinstrumente.
Auch nach der Umstellung gilt für bestimmte Artikel weiterhin Amazons freiwillige 30-Tage-Rückgabegarantie. Bei anderen Artikeln bleibt es grundsätzlich beim gesetzlichen Widerrufsrecht. Welche Regelung für ein konkretes Produkt gilt, zeigt Amazon auf der jeweiligen Produktdetailseite an.
Das gesetzliche Widerrufsrecht bleibt von der Änderung unberührt. Bei einem gewöhnlichen Online-Warenkauf müssen Verbraucher:innen den Widerruf grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Ware erklären. Anschließend haben sie regelmäßig weitere 14 Tage Zeit, die Ware abzusenden. Eine Retoure kann daher weiterhin deutlich später als zwei Wochen nach der Lieferung bei dir eintreffen.
Bei FBA wickelt Amazon die Rückgabe operativ ab. Bei Versand durch Verkäufer kannst du freiwillig eine längere Rückgabezeit anbieten. Entscheidend ist, dass die auf der Produktdetailseite angezeigte Frist, deine Rückgabeeinstellungen und deine eigenen Angaben nicht voneinander abweichen.
Was jetzt zu tun ist: Prüfe zunächst, welche Frist Amazon bei deinen Produkten anzeigt. Suche anschließend in deinen Rückgabeeinstellungen, Kundenservice-Vorlagen, Produktbeschreibungen, Bildern und im A+ Content nach pauschalen Hinweisen auf 30 Tage. Eigene Rückgabeversprechen und Rechtstexte solltest du bei Bedarf rechtlich prüfen lassen. Bei Fragen zu den steuerlichen und organisatorischen Auswirkungen unterstützen dich die Steuerberater:innen von fynax gern.
Quellen: Zu Amazons aktuellen Rückgabebedingungen, zur vollständigen Liste der seit September betroffenen Kategorien beim Händlerbund, zum gesetzlichen Widerrufsrecht nach § 355 BGB and zum Beginn der Widerrufsfrist nach § 356 BGB
AWD ist da, GWD soll folgen
Seit dem 20. August 2026 ist Amazon Warehousing and Distribution, kurz AWD, in Deutschland und weiteren europäischen Märkten verfügbar. Wenn dein Konto und deine Produkte die Voraussetzungen erfüllen, kannst du größere Warenmengen als Reservebestand bei Amazon lagern und deine FBA-Bestände automatisch auffüllen lassen. Für die EU befindet sich der AWD-Lagerstandort in Deutschland. Das Vereinigte Königreich hat eine eigene Struktur. In den FBA-Logistikzentren hält Amazon die Waren vor, die für aktuelle Bestellungen benötigt werden, und übernimmt Kommissionierung, Versand und Kundenservice. Die automatische Nachversorgung aus dem Reservebestand kann das Risiko von Fehlbeständen verringern. Eine verlässliche Bestandsplanung bleibt trotzdem notwendig.
Für AWD fallen neben den Lagerkosten auch Gebühren für Wareneingang, Warenausgang und den Transport zu FBA an. Welcher Tarif gilt, hängt unter anderem vom Transport zu AWD, der automatischen Nachversorgung und deiner Lagerreichweite ab. Für deine Kalkulation zählt deshalb der gesamte Weg vom Eingang bei AWD bis zum Verkauf über FBA.
Mit Global Warehousing and Distribution, kurz GWD, will Amazon bis Ende 2026 die nächste Lagerstufe unter anderem nach Deutschland ausweiten. GWD setzt noch früher in der Lieferkette an. Du sendest eine Produktionscharge an ein Amazon-Lager in der Nähe der Fertigung. Amazon bündelt die Waren dort in einem Bestandspool und verteilt sie erst bei entsprechender Nachfrage auf die Absatzländer und lokalen FBA-Zentren.
Die angekündigte Erweiterung bedeutet allerdings noch nicht, dass GWD bereits für deutsche Accounts verfügbar ist. Offen sind unter anderem die unterstützten Ausgangsregionen, die europäischen Gebühren und die Anforderungen an einzelne Produkte. Der von Amazon genannte Kostenvorteil von bis zu 45 Prozent gegenüber AWD gilt nur für die USA und lässt sich nicht einfach auf Europa übertragen.
Was jetzt zu tun ist: Prüfe zunächst, ob dein Konto, deine Umsatzsteuerregistrierungen und die betreffenden Produkte für AWD berechtigt sind. Wenn du den Dienst nutzen möchtest, vergleiche nicht nur die Lagergebühren. Berücksichtige auch Wareneingang, Warenausgang, Transport zu FBA, Kapitalbindung und Bestandsumschlag. Bei GWD solltest du zunächst abwarten, bis der Dienst für deinen Account verfügbar ist und die konkreten Gebühren und Teilnahmebedingungen feststehen.
Quellen: Zur Amazon-Mitteilung über AWD in Europa, zur Amazon-Hilfe für AWD Europa, zu den Gebühren für Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon, zur offiziellen Amazon-Ankündigung über GWD and zur europäischen Einordnung von GWD
Fazit: Der gesamte Warenfluss zählt
Amazon verändert mehrere Stationen deines Geschäfts gleichzeitig. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob einzelne Einstellungen stimmen. Angebote, Bestand, Lieferung, Rückgabe und Lagerlogistik müssen zusammenspielen.
Prüfe, was bereits angepasst werden muss, und warte bei angekündigten Diensten auf belastbare Konditionen. AWD kannst du schon kalkulieren. Bei GWD ist dafür noch zu viel offen.
Wenn du dabei Unterstützung brauchst, helfen dir die Steuerberater:innen von fynax gern, Warenbewegungen und Umsatzsteuerpflichten richtig einzuordnen und deine Prozesse passend aufzustellen. Nimm jetzt Kontakt mit uns auf.
Hinweis: Der Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Beratung.
FAQ zu Amazon-Logistik, Prime und Retouren
Welche Pan-EU-FBA-Vorgabe gilt für Amazon.nl?
Seit dem 3. September 2026 benötigen sowohl neue als auch bestehende Pan-EU-FBA-Produkte ein aktives Angebot in den Niederlanden. Das Angebot muss vorhanden und aktiv sein, damit das Produkt registriert werden kann oder weiterhin von Pan-EU-FBA profitiert.
Ist ein erforderliches Angebot inaktiv, erscheint im Pan-EU-Statusbericht zunächst der Hinweis „Registrierung endet bald“. Werden die erforderlichen aktiven Angebote nicht innerhalb von 14 Tagen nach der Inaktivierung wiederhergestellt, hebt Amazon die Pan-EU-Registrierung auf.
Welche Prime-Lieferziele gelten in Deutschland seit September 2026?
Seit dem 7. September 2026 müssen relevante inländische Prime-Angebote für Standardgrößen und niedrigpreisige Artikel zu 15 Prozent ein Lieferversprechen von maximal einem Tag, zu 50 Prozent von maximal zwei Tagen und zu 80 Prozent von maximal vier Tagen erfüllen. Amazon berücksichtigt dabei Angebote mit Versand durch Amazon, Versand durch Verkäufer und Amazon Retail.
Gilt Amazons 30-Tage-Rückgabefrist noch für alle Kategorien?
Nein. Seit dem 1. September 2026 gilt Amazons freiwillige 30-Tage-Rückgabegarantie in zahlreichen Kategorien nicht mehr automatisch. Nach Angaben des Händlerbundes betrifft die Änderung unter anderem Beauty, Drogerie und Körperpflege, Garten, Haustierbedarf, Möbel, Lebensmittel, Reifen und Musikinstrumente.
Für bestimmte Artikel bietet Amazon weiterhin eine freiwillige Rückgabegarantie von 30 Tagen an. Welche Frist für ein konkretes Produkt gilt, zeigt Amazon auf der jeweiligen Produktdetailseite.
Was ist der Unterschied zwischen Rückgabegarantie und Widerrufsrecht?
Die Rückgabegarantie ist eine freiwillige Leistung von Amazon oder Marketplace-Verkäufer:innen. Sie kann eine längere Rückgabezeit oder zusätzliche Rückgabemöglichkeiten vorsehen.
Das gesetzliche Widerrufsrecht besteht unabhängig davon. Bei einem gewöhnlichen Online-Warenkauf müssen Verbraucher:innen den Widerruf grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Ware erklären. Anschließend haben sie regelmäßig weitere 14 Tage Zeit, die Ware abzusenden.
Was ist Amazon AWD?
Amazon Warehousing and Distribution ist eine vorgelagerte Lagerlösung für größere Warenmengen. AWD lagert Reservebestand und versorgt FBA-Logistikzentren bedarfsabhängig mit Nachschub.
Der Dienst ist seit dem 20. August 2026 in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich verfügbar. Für die Nutzung gelten jedoch Voraussetzungen an das Verkaufskonto, die Umsatzsteuerregistrierungen und die Produktberechtigung.
Welche Voraussetzungen gelten für Amazon AWD in der EU?
Für Amazon AWD in der EU benötigst du ein einheitliches europäisches Seller-Central-Konto in einwandfreiem Zustand und musst bei Versand durch Amazon registriert sein. Amazon verlangt außerdem eine gültige Umsatzsteuerregistrierung in Deutschland sowie in mindestens einem weiteren von Amazon genannten Land.
Die betreffenden Produkte müssen grundsätzlich für Pan-EU-FBA registriert sein. Bestimmte Produktarten, darunter Gefahrgut, schmelzbare Artikel sowie einige schwere oder sperrige Produkte, sind ausgeschlossen.
Was ist Amazon GWD?
Global Warehousing and Distribution lagert Bestände möglichst nahe am Produktionsort in einem gemeinsamen Bestandspool. Bei tatsächlicher Nachfrage werden die Waren in die jeweiligen Absatzländer und lokalen FBA-Logistikzentren transportiert.
Amazon will GWD bis Ende 2026 unter anderem nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und ins Vereinigte Königreich ausweiten. Die Ankündigung bedeutet jedoch nicht, dass der Dienst bereits für jeden deutschen Account freigeschaltet ist.
Worin unterscheiden sich Amazon GWD, AWD und FBA?
GWD setzt am Anfang der internationalen Lieferkette an und bündelt Waren möglichst nahe an der Produktion. AWD hält größere Vorratsmengen als regionalen Reservebestand vor und versorgt daraus FBA.
In den FBA-Logistikzentren lagert Amazon die Waren, die für aktuelle Bestellungen benötigt werden. Amazon übernimmt dort außerdem Kommissionierung, Versand und Kundenservice.
Ist Amazon GWD bereits in Deutschland verfügbar?
Amazon hat angekündigt, GWD bis Ende 2026 unter anderem nach Deutschland auszuweiten. Eine allgemeine Verfügbarkeit für alle deutschen Verkaufskonten ist damit noch nicht bestätigt. Bevor du mit GWD planst, solltest du prüfen, ob der Dienst in deinem Seller-Central-Konto verfügbar ist, welche Ausgangsregionen unterstützt werden und welche Gebühren sowie Teilnahmebedingungen gelten.
