Vier Perspektiven auf profitables Wachstum: Das war der PlentyONE-Stammtisch in Hamburg
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„Das ist halt E-Commerce.“ Mit diesem Satz werden Probleme im Online-Handel schnell als unvermeidbar abgetan, etwa wenn Bestände nicht stimmen, ein Feed nachts abbricht oder die Marge sinkt, obwohl der Umsatz wächst. Doch müssen Onlinehändler:innen solche Schwierigkeiten wirklich hinnehmen? Antworten darauf gaben beim Stammtisch am 6. Oktober 2026 in Hamburg PlentyONE, DataWow, Kaufland Global Marketplace and fynax. Sie zeigten, welche Grundlagen Onlinehändler:innen für tragfähiges Wachstum in den Blick nehmen sollten.
Wenn Wachstum mehrere Bereiche gleichzeitig fordert
Der Abend im DRILLING in Hamburg-Bahrenfeld stand unter dem Motto „Vier Perspektiven. Ein Ziel: Profitabler E-Commerce“. Automatisierte Prozesse, belastbare Unternehmensdaten, neue europäische Absatzmärkte und steuerlich tragfähige Strukturen mögen zunächst wie getrennte Aufgaben erscheinen. Im Händleralltag greifen sie jedoch unmittelbar ineinander.
Sobald ein weiterer Vertriebskanal hinzukommt, gerät einiges in Bewegung. Die Reichweite steigt, neue Aufträge laufen ein und zugleich werden Datenströme, Warenbewegungen und steuerliche Pflichten komplexer. Prozesse, Daten, Marktplatzstrategie und Steuern müssen deshalb von Anfang an zusammengedacht werden.
Automatisierung, die mit dem Geschäft mitwächst
Mehr Bestellungen bedeuten meist auch mehr wiederkehrende Arbeitsschritte. Jacqueline Wendel erläuterte am Beispiel von PlentyONE Flow, wie sich solche Abläufe automatisieren und trotzdem nachvollziehen lassen. Mit dem System können Händler:innen Workflows visuell per Drag-and-drop zusammenstellen und manuell, ereignisgesteuert oder zu festgelegten Zeiten starten.
Automatisierung bedeutet dabei nicht, dass jeder Schritt ohne menschliches Zutun ablaufen muss. Über den Flow Hub lassen sich gezielt Eingaben und Freigaben einbinden, etwa bei Qualitätskontrollen oder der Erfassung von Versanddetails. Im Flow Tracker können Unternehmen anschließend die einzelnen Schritte und Ausführungen nachvollziehen. So wird beispielsweise sichtbar, warum ein Ablauf nicht wie vorgesehen gestartet oder fortgesetzt wurde.
Steigt das Bestellvolumen, müssen die internen Abläufe auch größere Mengen zuverlässig bewältigen. Automatisierung kann den manuellen Aufwand reduzieren und die Fehleranfälligkeit wiederkehrender Aufgaben senken. Sie unterstützt das Wachstum jedoch nur dann, wenn die einzelnen Schritte transparent bleiben und Ausnahmen gezielt bearbeitet werden können.
Umsatz zeigt Wachstum, aber noch keinen Gewinn
Steigende Verkaufszahlen wirken zunächst wie eine positive Entwicklung. Ob ein Artikel oder Vertriebskanal tatsächlich zum Ergebnis beiträgt, lässt sich daran jedoch nicht erkennen. Genau hier setzte der Vortrag von Florian Althoff and Daniel Moers from DataWow an. Wachstum ist gut, profitables Wachstum ist besser.
Die dafür benötigten Informationen sind häufig über mehrere Systeme verteilt. ERP, Shops, Marktplätze, Werbeplattformen, Versanddienstleister und Retourenprozesse bilden jeweils nur einen Teil des Geschäfts ab. Werden Versand-, Marketing- oder Retourenkosten lediglich als Durchschnittswerte berücksichtigt, können entscheidende Unterschiede zwischen einzelnen Artikeln verdeckt bleiben. Selbst Produkte mit demselben Verkaufspreis können dadurch völlig unterschiedliche Ergebnisbeiträge liefern.
Eine gemeinsame Datenbasis führt diese Informationen zusammen und macht sichtbar, welche Artikel und Kanäle nicht nur Umsatz, sondern auch Deckungsbeitrag erwirtschaften. Bestände, Reichweiten und Retouren lassen sich dabei ebenfalls in die Bewertung einbeziehen. Auch KI kann erst dann verlässliche Hinweise liefern, wenn sie auf konsistenten Daten und klar definierten Kennzahlen aufsetzt. Denn wer nur weiß, wo Umsatz entsteht, weiß noch nicht, womit das Unternehmen tatsächlich Geld verdient.
Neun Märkte mit einer Registrierung, aber nicht ohne Vorbereitung
Eine zentrale Registrierung soll Händler:innen den Zugang zu neun europäischen Kaufland-Marktplätzen erleichtern. Nach Angaben von Kaufland Global Marketplace können sie dort bis zu 220 Millionen potenzielle Onlinekund:innen erreichen. Anabela Maticevic stellte beim Stammtisch vor, welche Möglichkeiten die Plattform dafür bietet.
Automatische Übersetzungen, Support in den jeweiligen Landessprachen und verschiedene Anbindungsmöglichkeiten sollen den operativen Aufwand beim Eintritt in neue Märkte reduzieren. Doch ein technischer Zugang zu mehreren Marktplätzen ergibt noch keine tragfähige Cross-Border-Strategie.
Vor dem Markteintritt müssen Händler:innen prüfen, ob Sortiment, Preise und Logistik zum jeweiligen Markt passen. Auch Kundenverhalten, Sprache, Zahlungsarten sowie rechtliche und steuerliche Anforderungen unterscheiden sich von Land zu Land. Zudem müssen die vorhandenen Systeme und Dienstleister das zusätzliche Geschäft zuverlässig abbilden können. Eine Registrierung öffnet damit die Tür zu neun Märkten. Ob die Expansion dort erfolgreich ist, entscheidet jedoch die Vorbereitung.
Mehr Länder bringen neue Steuer- und Datenfragen
Mit dem Verkauf in weiteren Ländern wächst auch die steuerliche Komplexität. Jürgen Schott from fynax machte deutlich, dass zusätzliche Vertriebskanäle neue Warenwege, Abrechnungen und Datenquellen mit sich bringen. Je nach Geschäftsmodell kommen unterschiedliche steuerliche Regelungen, Steuersätze und Kontrollpflichten hinzu.
Das gilt etwa beim erstmaligen Verkauf über einen EU-Marktplatz, bei der Nutzung eines Warenlagers im Ausland oder beim parallelen Vertrieb über den eigenen Shop und mehrere Plattformen. Besonders wichtig ist dabei, Zahlung und Umsatz nicht gleichzusetzen. Die Auszahlung eines Marktplatzes entspricht nicht automatisch den steuerlich relevanten Erlösen. Gebühren, einbehaltene Beträge, Retouren und Korrekturen müssen dem jeweiligen Geschäftsvorgang zugeordnet werden.
Auch das One-Stop-Shop-Verfahren deckt nicht jeden grenzüberschreitenden Sachverhalt ab. Vor allem Warenbewegungen und Lieferungen im Zusammenhang mit ausländischen Lagern können zusätzliche Registrierungs- und Erklärungspflichten auslösen. Damit Buchhaltung und Steuerdeklaration belastbar bleiben, müssen Bestellung, tatsächliche Warenbewegung, Zahlung, Gebühren und Retouren in den Daten miteinander verknüpft sein.
Daraus ergibt sich eine klare Reihenfolge. Zuerst muss nachvollziehbar sein, von wo nach wo die Ware gelangt. Anschließend wird die Steuerlogik festgelegt, bevor die Abläufe automatisiert und skaliert werden. Für den nächsten Go-live bedeutet das, keinen neuen Kanal einzurichten, ohne dokumentierten Warenweg, steuerliche Einordnung und Testbuchung.
Vom Fachvortrag zum persönlichen Austausch
Mit dem Ende des Vortragsprogramms war der Abend noch nicht vorbei. Bei Drinks und Stullen tauschten sich die Teilnehmer:innen weiter aus. Dabei konnten sie Fragen und Erfahrungen aus der Praxis diskutieren und auch über Prozesse sprechen, die im Unternehmensalltag noch nicht wie geplant funktionieren.
Gerade diese offenen Gespräche machen den besonderen Wert eines Stammtischs aus. Die Themen bleiben nicht auf der Bühne, sondern werden mit konkreten Erfahrungen aus dem Händleralltag verbunden. Unterschiedliche Perspektiven treffen unmittelbar aufeinander und geben Anstöße, die eigenen Abläufe und Daten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Fazit: Erst die Grundlage, dann die Skalierung
Ein neuer Marktplatz, mehr Automatisierung oder eine größere Reichweite können wichtige Wachstumsschritte sein. Ob daraus auch mehr Ertrag entsteht, entscheidet sich jedoch an den Strukturen dahinter. Abläufe müssen steigende Bestellmengen bewältigen, Daten verlässliche Entscheidungen ermöglichen und internationale Warenbewegungen steuerlich nachvollziehbar bleiben.
Profitabel bleibt Wachstum deshalb vor allem dann, wenn die Übergänge zwischen Prozessen, Daten, Vertrieb und Steuern funktionieren. Sind diese Verbindungen frühzeitig geklärt, lassen sich neue Kanäle auf einem belastbaren Fundament aufbauen. Viele Schwierigkeiten müssen dann nicht länger mit „Das ist halt E-Commerce“ abgetan werden.
Wachstum braucht verlässliche Strukturen
Neue Marktplätze, internationale Warenlager und zusätzliche Vertriebskanäle verändern nicht nur dein Geschäft, sondern auch die Anforderungen an Buchhaltung und Steuern. fynax unterstützt dich dabei, die daraus entstehenden Datenflüsse und Geschäftsvorfälle zuverlässig abzubilden.
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FAQ zum PlentyONE-Stammtisch in Hamburg
Wann fand der PlentyONE-Stammtisch in Hamburg statt?
Der PlentyONE-Stammtisch fand am 6. Oktober 2026 im DRILLING in Hamburg-Bahrenfeld statt. Nach den Fachvorträgen blieb Zeit für den persönlichen Austausch über Fragen und Erfahrungen aus dem E-Commerce-Alltag.
Welche Unternehmen waren an der Veranstaltung beteiligt?
Gestaltet wurde der Stammtisch von PlentyONE, DataWow, Kaufland Global Marketplace und fynax. Jedes Unternehmen betrachtete profitables Wachstum im E-Commerce aus einer anderen fachlichen Perspektive.
Welche Themen standen beim PlentyONE-Stammtisch im Mittelpunkt?
Die Vorträge beschäftigten sich mit Prozessautomatisierung, datenbasierter Profitabilitätssteuerung, internationaler Expansion über europäische Marktplätze sowie steuerlichen und organisatorischen Anforderungen im Cross-Border-E-Commerce.
Welche Rolle spielte künstliche Intelligenz bei der Veranstaltung?
KI wurde beim Stammtisch vor allem im Zusammenhang mit der Analyse von Unternehmensdaten behandelt. Sie kann Zusammenhänge zwischen Umsatz, Deckungsbeitrag, Bestand und Reichweite schneller sichtbar machen, benötigt dafür aber konsistente Daten und klar definierte Kennzahlen.
Was war die wichtigste Erkenntnis für Onlinehändler:innen?
Profitables Wachstum entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Bereiche. Automatisierte Abläufe müssen transparent bleiben, Kosten und Deckungsbeiträge müssen differenziert ausgewertet werden und neue Vertriebskanäle benötigen sowohl operative als auch steuerliche Vorbereitung.
