© iStock via FinkAvenue

Wer Kleidung gern online bestellt, kennt das Problem: Welche Größe ist die passende? Tatsächlich besteht im Online-Handel seit jeher immer noch das Problem, dass Passgrößen und Passformen je nach Artikel für alle Käufer:innen variieren. So bestellt man oft seine Standardgröße und dann fällt der eine oder andere Artikel doch wieder größer oder kleiner aus. Bisher gestaltet sich die E-Commerce-Branche in puncto Retouren aber sehr benutzer:innenfruendlich, denn: Mehr als 90 Prozent der Händler:innen in Deutschland bieten Retouren noch immer kostenfrei an. Im internationalen Vergleich ist das nicht selbstverständlich, die Rate in den Vereinigten Staaten liegt bei nur 56 Prozent, in China ist es sogar nur ein Viertel aller Händler:innen.

Mit gestiegenen Transportkosten und der aktuellen Inflationsproblematik stellt sich der Branche aber auch hierzulande die Frage, wie man Retouren am besten minimieren könnte, um so Kosten einzusparen. Amazon stellte in diesem Zusammenhang erst kürzlich sein Konzept für Retourenminimierung vor: Smarte Lösungen, die den Kund:innen bei der Auswahl der richtigen Passgröße helfen sollen und damit gleichzeitig die Einkaufserfahrung verbessern.

Amazon setzt dort an, wo es zählt

Einer der wichtigsten Aspekte im Online-Handel ist das Retourenmanagement im Bekleidungssegment. Denn hier entstehen für Anbieter:innen enorme Kosten, die weitestgehend von ihnen selbst getragen werden müssen. Amazon gilt hier als Vorreiter und hat in einem erst kürzlich veröffentlichten Blogpost erläutert, wie Künstliche Intelligenz dem Unternehmen dabei hilft, dessen Retourequoten nachhaltig zu senken. Doch das ist nicht das einzige Ziel: Durch die Reduzierung der Retouren und der damit einhergehenden Kostenersparnis soll die Technologie auch dazu beitragen, für mehr Zufriedenheit bei Sellern und Kund:innen zu sorgen und ein verbessertes Einkaufserlebnis zu bieten. Durch die Nutzung von insgesamt vier unterschiedlichen KI-Tools sammelt das System wichtige Daten und wertet sie in einer eigens angelegten Datenbank aus, um schlussendlich personalisierte Produkt- und Größenempfehlungen für alle Nutzer:innen anbieten zu können.

 „Deep Learning“

Alle genutzten Tools sollen kurz gesagt vorausgegangene Bewertungen und Empfehlungen über die Passform der Bekleidung vergleichbarer Kund:innen als Informationsquelle nutzen, um dann personalisierte Empfehlungen abgeben zu können. Die Grundlage für das KI-Programm besteht im Algorithmus. Mit „Deep Learning“ werden Größenverhältnisse zwischen Marken und ihren jeweiligen Größensystemen berücksichtigt und anhand der Produktbewertungen und Passformpräferenzen ausgewertet. Im Nachgang generiert der Algorithmus dann eine optimierte Größentabelle und Produktbeschreibung, die es Kund:innen einfacher macht, sich für die passende Größe zu entscheiden.

Large Language Models (LLM)

Die von der KI generierte Größentabelle speist sich hauptsächlich aus der Analyse von vorausgegangenen Größenempfehlungen der Kund:innen für das Produkt. Hier kommt dann das sogenannte Large Language Model Tool zu Gebrauch, das diese zusammengefassten Empfehlungen aus vorhandenen Datenbanken analysiert. Beispielsweise unterstützt das LLM-Tool dabei, auch herauszufinden, ob ein Produkt aus vorherigen Produktbewertungen als „dehnbar“ bezeichnet wird. Damit würde nämlich gegebenenfalls auch eine kleinere Größe ausreichen. Auch andersrum wäre es möglich: Das Tool filtert aus den Produktbewertungen heraus, dass das jeweilige Produkt oft klein ausfällt und empfiehlt Kund:innen daher, dieses Produkt eine Nummer größer zu ordern.

Fit Insights Tool

Bei diesem Tool werden die Retourengründe der Kund:innen analysiert. Das hilft Online-Händler:innen dabei herauszufinden, warum Produkt XY beispielsweise eine relativ hohe Rückgaberate aufweist. Außerdem werden aber auch Informationen zu den bevorzugten Größenangaben der Kund:innen festgehalten. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse nutzt das Tool im Nachgang dazu, verbesserte Produktbeschreibungen anzubieten. Der Algorithmus gruppiert hier anonym Kund:innen mit ähnlichen Größen- und Passformvorlieben und ordnet Einkaufsprofilen, die genau auf diese Beschreibung passen, ausgewählte Produkte mit entsprechender Passformbeschreibung zu. Das KI-Tool nutzt ausgewählte Produkteinkäufe anhand der gesammelten Daten zu Stil, bevorzugter Größenauswahl und Bewertung und spielt Kund:innen mit ähnlichen Vorlieben passende Produktempfehlungen aus. Als Begründung gibt Amazon an, dass Kund:innen eher dazu bereit sind, online einzukaufen, wenn Ihnen bestimmte Größen bereits empfohlen werden. Amazons Datenbanken speisen sich aus insgesamt 19 Ländern.

Fit Review Highlights

Das Tool Fit Review Highlights (FRH) präsentiert Kund:innen beim Online-Shopping eine Übersicht zu der eigenen Passform und Größe. Das Tool wertet hierfür nur Bewertungen von Online-Shoppern, basierend auf der eigenen Standard-Größe aus. Das bedeutet, wenn Kunde XY standardmäßig Größe M trägt, werden ihm oder ihr automatisch Bewertungen zu genau dieser Größe ausgespielt. Das Tool ermöglicht so eine personalisierte Größenberatung für alle Kund:innen. Zusätzlich nutzt der zugrunde liegende Algorithmus aber auch vorausschauende Technologie, die beispielsweise beim Kauf einer Hose für ein Kleinkind oder Baby ein paar Monate später automatisch größere Größen als Empfehlung ausspielt.

Künstliche Intelligenz in der Branche – Trend oder bereits Realität?

Erste Anzeichen für die Etablierung von KI-Tools haben sich bereits durch die Nutzung von Alexa, Google Assistant und Apples Siri abgezeichnet – auch SmartHome Funktionen der verschiedenen Anbieter:innen sind bereits voll etabliert. Doch spätestens mit ChatGPT von OpenAI sind KI-Tools in ihrem vollen Nutzungsumfang auch der breiten Masse zugänglich gemacht worden. Viele Unternehmen nutzen bereits Künstliche Intelligenz, um beispielsweise ihre Transportwege in der Logistik zu verbessern oder um Kund:innenrezensionen besser auswerten zu können – so auch Amazon. KI-Tools sind weder im Alltag noch in der Welt des Online-Handels eine Trenderscheinung – viel mehr sind sie bereits fester Bestandteil der E-Commerce-Branche.


DIESEN ARTIKEL TEILEN

Unsere letzten Beiträge


fynax. Flow digital.

LinkedIn Profil
Vernetze dich auf LinkedIn mit fynax
FOLLOW @FYNAX
Facebook Feed
Vernetze dich auf Facebook mit fynax
FOLLOW @FYNAX

FYNAX NEWSLETTER

So geht E-Commerce.

Der fynax Newsletter

Mit der Registrierung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

© iStock via metamorworks

In der pulsierenden Welt des Online-Handels sind ständige Veränderungen und schnelle Entwicklungen an der Tagesordnung. Fast täglich gibt es neue Trends, technologische Innovationen oder neue Tools, die die Art und Weise, wie wir online einkaufen, prägen und verändern können. Wer hier den Anschluss verliert, könnte die nächste große Innovation oder den künftig marktbestimmenden Verbraucher:innentrend verpassen: Von neuen Technologien bis hin zu sich wandelnden Kund:innenbedürfnissen – die Branche des E-Commerce ist ein Spiegel unserer digitalisierten Gesellschaft. Wir tauchen deshalb für euch in die Tiefen dieses facettenreichen Marktes ein, filtern die Flut an Informationen und präsentieren euch präzise das Wesentliche.

Wir haben es uns 2024 zur Aufgabe gemacht, euch auf relevante News, wegweisende Entwicklungen und aufkommende Trends hinzuweisen, mit denen ihr eure Strategien schärfen oder einfach nur euer Wissen erweitern könnt. Mit unserem Rundum-Blick auf den Online-Handel bleibt ihr nicht nur informiert, sondern auch inspiriert, um in der vernetzten Welt des E-Commerce stets einen Schritt voraus zu sein. Bleibt auf dem neuesten Stand, denn ein informierter Klick kann den Unterschied ausmachen!

AI-Act

Als Teil der digitalen Strategie der Europäischen Union hat sich das Europaparlament in Zusammenarbeit mit den EU-Staaten am 9. Dezember 2023 auf den sogenannten „AI-Act“ geeinigt: Das weltweit erste KI-Gesetz soll zur strengeren Regulierung von künstlicher Intelligenz beitragen und so die Sicherheit und Rechte der Bürger:innen besser schützen. Es stehen noch die formelle Annahme des Parlaments und des Rats aus, bevor das Gesetz schließlich ratifiziert und endgültig zu EU-Recht wird.

Payback Pay

Im Bereich des mobilen Zahlungsverkehrs hat sich auch in Deutschland etwas getan: Payback Pay ist nun in die DM-App integriert worden, was den Zahlungsprozess für Kund:innen des Drogeriemarktes noch bequemer macht.

Konsum & Nachhaltigkeit

Trotz sich ändernden Konsumverhaltens und wachsenden Umweltbewusstseins bleibt unverpacktes Einkaufen bei den Deutschen weitgehend unbeliebt. Laut einer Yougov-Umfrage haben nur 22 Prozent der Verbraucher:innen schon mal unverpackt eingekauft, während nur fünf Prozent der Befragten angegeben haben, regelmäßig unverpackte Waren einzukaufen.

Drohnenlieferung ist da!

Eine futuristische Note bekommt der Versandhandel durch den Bundesligisten Darmstadt 98, der nun beginnt, Fanartikel via Drohnenlieferdienst „LieferMichel“ zu versenden. Dies könnte bereits ein Vorgeschmack auf zukünftige Liefermethoden von verschiedenen Anbieter:innen sein.

Hinweisgeberschutzgesetz

Indes beklagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen, dass sich große Internetplattformen nicht an den neuen Digital Services Act halten, wodurch Verbraucher:innenrechte noch immer nicht ausreichend geschützt seien. Parallel dazu wird außerdem mit dem Hinweisgeberschutzgesetz angestrebt, interne Meldestellen in kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Pflicht zu machen, um so Whistleblower besser schützen zu können.

Kostspielige Retouren

Eine aktuelle Studie des Retail Institutes hat herausgestellt, dass Retouren für Unternehmen immer noch eine teure Angelegenheit sind und durchschnittlich zwischen fünf bis zehn Euro pro zurückgeschickten Artikel zusätzliche Kosten verursachen. Das unterstreicht die Notwendigkeit effizienter und nachhaltiger Lösungen in der Logistik.

Wachsende Konkurrenz im E-Commerce

Chinesische Plattformen wie Alibaba, Shein, Temu oder Wish sind bereits fest im europäischen Markt etabliert. Jetzt will mit TikTok der nächste Social-Media-Gigant mit seinem eigenen Onlinemarkt mit einsteigen. Die Anzeichen einer geplanten Einführung noch in diesem Jahr verdichten sich.

Vorsicht geboten bei Temu

Die Verbraucherzentrale warnt Kund:innen davor, beim chinesischen Online-Shop Temu einzukaufen. Grund dafür sind Konsequenzen bei beschädigter oder defekter Ware. Denn in diesem Fall greift die Produkthaftung für den Onlineriesen nicht. Da die Ware aus dem außereuropäischen Ausland kommt, stehen Importeure für jegliche Mängel gerade und im Fall von Temu wären diese dann die Privatkunden selbst.

Die E-Commerce-Branche steckt in der Krise

Handelsexpert:innen prognostizieren ein schwieriges Jahr für Online-Händler:innen. Die Inflation hinterlässt auch ihre Spuren im deutschen Online-Handel: So zeigt eine Umfrage der Digitalberatung „Etribes“ unter 614 Konsument:innen, dass der Preis das wichtigste Kriterium bleibt, während gleichzeitig aber die Lieferzeit als Faktor in der Rangfolge abgerutscht ist. Kund:innen sind inzwischen dazu bereit, deutlich länger zu warten, vorausgesetzt, sie erhalten dafür einen merklich günstigeren Preis. Das wiederum gibt chinesischen Plattformen wie Temu oder Shein Aufwind, da diese Faktoren genau in ihre Geschäftsmodelle hineinspielen.

Community Building mit Galaxus

Digitec Galaxus erlaubt Kund:innen, falsche oder unvollständige Produktdaten selbstständig auszubessern beziehungsweise einzupflegen.

Cybercrime

Die Spezialstaatsanwaltschaft verzeichnete 2023 rund 18.000 Cybercrime-Fälle und damit einen Anstieg von knapp 3.000 Fällen im Vergleich zum Vorjahr. Investitionen in Cybersecurity bleiben somit weiterhin das A und O für Online-Händler:innen.

DIESEN ARTIKEL TEILEN

Unsere letzten Beiträge


fynax. Flow digital.

LinkedIn Profil
Vernetze dich auf LinkedIn mit fynax
FOLLOW @FYNAX
Facebook Feed
Vernetze dich auf Facebook mit fynax
FOLLOW @FYNAX

FYNAX NEWSLETTER

So geht E-Commerce.

Der fynax Newsletter

Mit der Registrierung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

© Tirachard via iStock

E-Commerce-Logistik: Worauf du bei Aufbau und Pflege deiner Lieferketten achten musst

Gerade im E-Commerce ist die Logistik neben den Sales das A und O. Schließlich stellt sich der Verkaufserfolg erst dann ein, wenn die bestellte Ware auch den Weg zu den Kund:innen findet. Da du sicherlich daran interessiert bist, dass dein Shop wächst, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie du ab einer bestimmten Größe deine Lieferketten von A bis Z einrichtest, damit sie stets sinnvoll, effizient und kostengünstig funktionieren.

Worauf kommt es also bei der E-Commerce-Logistik an?

Was ist E-Commerce-Logistik, was gehört alles dazu?

Allgemein versteht man unter Logistik den gesamten Prozess von Beschaffung, Lagerung und Transport von Ressourcen zu ihrem endgültigen Bestimmungsort. Vereinfacht ausgedrückt wird die Logistik im E-Commerce mit dem Ziel gemanagt, die erforderliche Menge eines Produkts zur passenden Zeit zur Verfügung zu haben und sie pünktlich an die richtigen Kund:innen zu liefern.

Die einzelnen Schritte in der E-Commerce-Logistik rund um Bestandsmanagement und Fulfillment („Picking, Packing, Shipping“) sind:

  • Wareneingang inklusive Einbuchung ins Warenwirtschaftssystem
  • Lagerhaltung
  • Kommissionierung (Pick) nach Bestelleingang
  • Verpackung (Pack) und Versand (Ship) inklusive Tracking
  • Retourenmanagement

Die Kosten für die Logistik im E-Commerce können erheblich sein. Bei Onlineshops muss man bisweilen von 20 bis 40 Prozent des gesamten Umsatzes ausgehen. Das lässt natürlich die Gewinnmargen dahinschmelzen. Deshalb ist die E-Commerce-Logistik für viele Händler:innen eine besondere Herausforderung.

Was macht eine gute E-Commerce-Logistik aus?

Logistik im E-Commerce ist aber nicht nur aus Sicht der Shopbetreiber:innen ein Thema. Als zu teuer empfundene Versandkosten sind einer der häufigsten Gründe für hohe Abbruchraten aufseiten potenzieller Käufer:innen. So manche Konsument:innen sind sogar überhaupt nicht bereit, Versandkosten zu zahlen. Und: Warten wollen sie noch viel weniger.

Deshalb kommt es auf größtmögliche Effizienz und Geschwindigkeit an. Alle Komponenten deiner E-Commerce-Logistik-Lösung müssen optimal aufeinander abgestimmt sein. In erster Linie stehen dabei die folgenden Bausteine im Fokus:

Lager

Das Lager ist ein zentrales Zahnrädchen im klassischen Onlinehandel, der nicht auf Dropshipping setzt. Viele Prozesse wie die Warenannahme, Lagerung oder Verpackung finden dort statt. Es ist also wichtig, dass dein Lager in Ordnung ist und alle verwalterischen Aufgaben wie in einem fein abgestimmten Uhrwerk ineinandergreifen. Dazu gehören Aspekte wie:

  • optimierte Raumnutzung
  • Methoden zur Erkennung und Vorbeugung von Problemen bei Infrastrukturen und Abläufen
  • ein Scansystem, mit dem du den Bestand sortieren, überwachen und klassifizieren kannst

Wareneingang

Ein gut getimter Wareneingang ist ein bestimmender Faktor für die Reaktionszeit auf Bestellungen. Die Synchronisierung der internen Abläufe mit dem Einkauf ist von grundlegender Bedeutung. Dafür sind diverse laufende Maßnahmen erforderlich:

  • Waren bei ihrem Eintreffen etikettieren
  • Qualitätskontrollen an Produkten und Verpackungen durchführen
  • die Übereinstimmung der Waren mit den bestellten Artikeln überprüfen

Lagerbestand

Der Lagerbestand muss zu jeder Zeit transparent sein. Um die Bestände überwachen zu können, solltest du alle Artikel von Ein- bis Abgang tracken. Ein Warenwirtschaftssystem mit den entsprechenden Schnittstellen erleichtert diese Aufgabe entscheidend.

Versand

Der Versand ist nach Kommissionierung und Verpackung die mit Abstand heikelste Prozessphase der E-Commerce-Logistik. Wenn du deinen Versand auslagerst, besteht die Herausforderung darin, die Vorbereitung des Pakets mit der Ankunft des Dienstleisters zu synchronisieren. Dafür müssen:

  • Kommissionier- und Packlisten organisiert,
  • Versandetiketten und Rechnungen gedruckt,
  • die Pakete gewogen und vermessen sowie
  • die Kund:innen über den Versandstatus auf dem Laufenden gehalten werden.

Tracking

Die Sendungsverfolgung ist eines der Features, das Kund:innen am meisten nachfragen. Dabei tritt häufig das Problem auf, dass das Tracking über die Website des Kurierdienstes erfolgt. Das führt schnell zu einer unbefriedigenden Einkaufserfahrung, insbesondere wenn Kund:innen mehrere Bestellungen gleichzeitig verfolgen möchten.

Retouren-Management

Das Retouren-Management ist ein Teilbereich der Logistik im E-Commerce, der einen Shop viel Zeit und sogar potenziell Umsatz kosten kann. Tatsächlich sind Retouren einer der zentralen Punkte, auf den Kund:innen achten, bevor sie kaufen. Eine transparent kommunizierte Rückgabepolitik bedeutet nicht nur einen Wettbewerbsvorteil für Händler:innen, sondern ist auch zur Minimierung der Logistikkosten notwendig.

Welche E-Commerce-Logistik-Lösungen gibt es?

Die Entscheidung, wie du in der Praxis deines E-Commerce die Logistik abwickelst, ist immer eine Abwägung von Effizienz, Kund:innenerlebnis und Kosten. Dabei existieren verschiedene Möglichkeiten zwischen den beiden Polen, die Logistik entweder komplett selbst zu erledigen oder vollständig an einen Dritten outzusourcen (sogenannte 3PL – Third-Party Logistics). Die wichtigsten sind:

  • Komplett eigenständige Abwicklung kommt in der Regel nur für kleine Shops oder Start-ups infrage. In diesen Szenarien kann es noch am ehesten sinnvoll sein, alles inhouse selbst abzuarbeiten.
  • Externe Versanddienstleister kommen ins Spiel, sobald Warensortiment und Bestellvolumen anwachsen.
  • E-Fulfillment-Dienstleister: Kund:innen erwarten einen schnellen und günstigen Versand sowie eine positive Erfahrung bei der Lieferung auf der letzten Meile. E-Commerce-Fulfillment kann mit Hilfe von digitaler Technologie die Logistikabläufe optimieren und Prozesse automatisieren, um menschliche Fehler zu reduzieren und eine höhere Auftragsgenauigkeit zu fördern. Allerdings empfiehlt sich angesichts der dafür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister.
  • Dropshipping, auch Streckengeschäft genannt, funktioniert so: Du als Händler:in nimmst in deinem Shop Bestellungen entgegen, die dann aber direkt von den Hersteller:innen beziehungsweise Lieferant:innen an die Endkund:innen versandt werden. Als Shop-Betreiber:in hast du also mit der „Strecke“, der eigentlichen E-Commerce-Logistik, gar nichts zu tun. Insgesamt spart Dropshipping Lager- und Transportkosten, macht aber auch abhängig von der Schnelligkeit und Qualität externer Partner.
  • Automatisierte Logistikprozesse: Hier geht es um cloudbasierte Plattformen, die alle an der E-Commerce-Logistik beteiligten Akteure in Echtzeit verbinden und Prozesse wie Beauftragung von Transportdienstleistung, Drucken von Versand- und Retourenlabels oder Anzeigen des Sendungsstatus so weit wie möglich automatisieren. Je nach individueller Situation könnte sich ein Blick auf diese Plattformen für Händler:innen lohnen.

Die Vor- und Nachteile der Abwicklungsoptionen im Überblick:

 VorteileNachteile
Inhouse-AbwicklungVolle LogistikkontrolleHoher Personal- und Zeitaufwand
Externer VersandMacht Skalierung des Geschäftsmodells erst möglichUnter Umständen geringere Gewinnmarge durch höhere Kosten
E-Fullfilment-DienstleisterUmfassende Outsourcing-LösungMargenwirksam, geringe Kontrolle über Kund:innenerlebnis
DropshippingGeringeres finanzielles RisikoKein Einfluss auf Versandprozess
Automation via PlattformZeitersparnisAbhängigkeit von Softwarelösung in der Cloud

5 Tipps für eine erfolgreiche E-Commerce-Logistik

Wie stellst du also deine E-Commerce-Logistik erfolgreich auf? Und wie kannst du dafür sorgen, dass sie dauerhaft effizient arbeitet? Die folgenden Tipps können hilfreich sein:

1.      Bedarfsplanung nicht vernachlässigen

Händler:innen, die schon länger am Start sind, stützen ihre Bestandsprognosen in der Regel auf historische Daten und persönliche Erfahrungen. Als Newcomer:in kannst du dir behelfen, indem du den Verkehr auf deiner Website oder die Aktivitäten in deinen Social-Media-Kanälen beobachtest.

So findest du häufig Hinweise auf eine sich ankündigende, höhere Nachfrage. Vergiss auch nicht, rechtzeitig Vorräte aufzubauen, um schnell auf saisonale Trends (zum Beispiel Winter- oder Sommeranfang), Feiertage und bevorstehende Sonderaktionen wie Black-Friday-Angebote reagieren zu können.

2.      Kompatible Tools und Strukturen einsetzen

Je umfangreicher sich die Anforderungen an die E-Commerce-Logistik gestalten, desto schwieriger wird es, das große Ganze im Blick zu behalten. Wenn dein Handel schnell wächst, musst du eventuell (zumindest vorübergehend) ad hoc Logistikkapazitäten wie zusätzliche Lagerfläche, Dropshipping-Strukturen oder mehrere Versandoptionen aufbauen.

Wenn diese Teile aber nicht gut miteinander kommunizieren, kann es schwierig sein, den Überblick zu behalten.

3.      Kostenlosen Versand anbieten

Kund:innen erwarten schnelle Lieferzeiten, wollen dafür aber nicht bezahlen. Marketingtechniken wie Mindestbestellmengen oder Aktionsartikel können dazu beitragen, die Zahl der Bestellungen zu erhöhen und den Skaleneffekt zu nutzen. Dann ist Disziplin an allen Punkten der Lieferkette gefragt, damit der kostenlose Versand zu einem Wettbewerbsvorteil und nicht zu einer finanziellen Belastung wird.

4.      Die letzte Meile priorisieren

Die meisten Verbraucher:innen beurteilen die gesamte Interaktion mit deinem Unternehmen anhand der Liefererfahrung. Eine nachhaltige Strategie für die letzte Meile muss deshalb ihre Erwartungen erfüllen und gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen Kosten und Ressourcenbedarf herstellen.

5.      Gutes Retourenmanagement sicherstellen

Die Verwaltung von Rücksendungen stellt in der E-Commerce-Logistik häufig eine große Herausforderung dar. Die durchschnittliche Rückgabequote in einem Ladengeschäft liegt bei unter 10 Prozent, im Onlinehandel können es über 30 sein. Vereinzelt (wie im Bekleidungsbereich) musst du dauerhaft mit einer Rücksendequote von 50 Prozent rechnen.

Um Rücksendungen richtig zu handhaben, solltest du sie als „reverse Logistik“ betrachten und mit der gleichen Sorgfalt wie den eigentlichen Kauf behandeln. Mit einigen cleveren Rückgaberichtlinien schaffst du Anreize für Käufer:innen, die darauf vertrauen können, dass sie nicht auf Produkten sitzen bleiben, die ihren Bedürfnissen nicht entsprechen. Wichtig dabei ist natürlich die Kostenkontrolle.

Du siehst, eine schlagkräftige E-Commerce-Logistik zu organisieren, ist nicht ganz einfach. Aber ohne geht es nicht. Zumindest eines ist sicher: Onlineshopper:innen werden immer anspruchsvoller, wissen guten Service aber auch immer mehr zu schätzen. Und die Logistik ist ein mächtiger Hebel in deinem Serviceerlebnis. Anstrengungen auf diesem Gebiet werden sich mehr als bezahlt machen.


DIESEN ARTIKEL TEILEN

Unsere letzten Beiträge


fynax. Flow digital.

LinkedIn Profil
Vernetze dich auf LinkedIn mit fynax
FOLLOW @FYNAX
Facebook Feed
Vernetze dich auf Facebook mit fynax
FOLLOW @FYNAX

FYNAX NEWSLETTER

So geht E-Commerce.

Der fynax Newsletter

Mit der Registrierung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.