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Worauf es in der E-Commerce-Logistik ankommt

20. September 2022

E-Commerce-Logistik: Worauf du bei Aufbau und Pflege deiner Lieferketten achten musst

Gerade im E-Commerce ist die Logistik neben den Sales das A und O. Schließlich stellt sich der Verkaufserfolg erst dann ein, wenn die bestellte Ware auch den Weg zu den Kund:innen findet. Da du sicherlich daran interessiert bist, dass dein Shop wächst, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie du ab einer bestimmten Größe deine Lieferketten von A bis Z einrichtest, damit sie stets sinnvoll, effizient und kostengünstig funktionieren.

Worauf kommt es also bei der E-Commerce-Logistik an?

Was ist E-Commerce-Logistik, was gehört alles dazu?

Allgemein versteht man unter Logistik den gesamten Prozess von Beschaffung, Lagerung und Transport von Ressourcen zu ihrem endgültigen Bestimmungsort. Vereinfacht ausgedrückt wird die Logistik im E-Commerce mit dem Ziel gemanagt, die erforderliche Menge eines Produkts zur passenden Zeit zur Verfügung zu haben und sie pünktlich an die richtigen Kund:innen zu liefern.

Die einzelnen Schritte in der E-Commerce-Logistik rund um Bestandsmanagement und Fulfillment („Picking, Packing, Shipping“) sind:

  • Wareneingang inklusive Einbuchung ins Warenwirtschaftssystem
  • Lagerhaltung
  • Kommissionierung (Pick) nach Bestelleingang
  • Verpackung (Pack) und Versand (Ship) inklusive Tracking
  • Retourenmanagement

Die Kosten für die Logistik im E-Commerce können erheblich sein. Bei Onlineshops muss man bisweilen von 20 bis 40 Prozent des gesamten Umsatzes ausgehen. Das lässt natürlich die Gewinnmargen dahinschmelzen. Deshalb ist die E-Commerce-Logistik für viele Händler:innen eine besondere Herausforderung.

Was macht eine gute E-Commerce-Logistik aus?

Logistik im E-Commerce ist aber nicht nur aus Sicht der Shopbetreiber:innen ein Thema. Als zu teuer empfundene Versandkosten sind einer der häufigsten Gründe für hohe Abbruchraten aufseiten potenzieller Käufer:innen. So manche Konsument:innen sind sogar überhaupt nicht bereit, Versandkosten zu zahlen. Und: Warten wollen sie noch viel weniger.

Deshalb kommt es auf größtmögliche Effizienz und Geschwindigkeit an. Alle Komponenten deiner E-Commerce-Logistik-Lösung müssen optimal aufeinander abgestimmt sein. In erster Linie stehen dabei die folgenden Bausteine im Fokus:

Lager

Das Lager ist ein zentrales Zahnrädchen im klassischen Onlinehandel, der nicht auf Dropshipping setzt. Viele Prozesse wie die Warenannahme, Lagerung oder Verpackung finden dort statt. Es ist also wichtig, dass dein Lager in Ordnung ist und alle verwalterischen Aufgaben wie in einem fein abgestimmten Uhrwerk ineinandergreifen. Dazu gehören Aspekte wie:

  • optimierte Raumnutzung
  • Methoden zur Erkennung und Vorbeugung von Problemen bei Infrastrukturen und Abläufen
  • ein Scansystem, mit dem du den Bestand sortieren, überwachen und klassifizieren kannst

Wareneingang

Ein gut getimter Wareneingang ist ein bestimmender Faktor für die Reaktionszeit auf Bestellungen. Die Synchronisierung der internen Abläufe mit dem Einkauf ist von grundlegender Bedeutung. Dafür sind diverse laufende Maßnahmen erforderlich:

  • Waren bei ihrem Eintreffen etikettieren
  • Qualitätskontrollen an Produkten und Verpackungen durchführen
  • die Übereinstimmung der Waren mit den bestellten Artikeln überprüfen

Lagerbestand

Der Lagerbestand muss zu jeder Zeit transparent sein. Um die Bestände überwachen zu können, solltest du alle Artikel von Ein- bis Abgang tracken. Ein Warenwirtschaftssystem mit den entsprechenden Schnittstellen erleichtert diese Aufgabe entscheidend.

Versand

Der Versand ist nach Kommissionierung und Verpackung die mit Abstand heikelste Prozessphase der E-Commerce-Logistik. Wenn du deinen Versand auslagerst, besteht die Herausforderung darin, die Vorbereitung des Pakets mit der Ankunft des Dienstleisters zu synchronisieren. Dafür müssen:

  • Kommissionier- und Packlisten organisiert,
  • Versandetiketten und Rechnungen gedruckt,
  • die Pakete gewogen und vermessen sowie
  • die Kund:innen über den Versandstatus auf dem Laufenden gehalten werden.

Tracking

Die Sendungsverfolgung ist eines der Features, das Kund:innen am meisten nachfragen. Dabei tritt häufig das Problem auf, dass das Tracking über die Website des Kurierdienstes erfolgt. Das führt schnell zu einer unbefriedigenden Einkaufserfahrung, insbesondere wenn Kund:innen mehrere Bestellungen gleichzeitig verfolgen möchten.

Retouren-Management

Das Retouren-Management ist ein Teilbereich der Logistik im E-Commerce, der einen Shop viel Zeit und sogar potenziell Umsatz kosten kann. Tatsächlich sind Retouren einer der zentralen Punkte, auf den Kund:innen achten, bevor sie kaufen. Eine transparent kommunizierte Rückgabepolitik bedeutet nicht nur einen Wettbewerbsvorteil für Händler:innen, sondern ist auch zur Minimierung der Logistikkosten notwendig.

Welche E-Commerce-Logistik-Lösungen gibt es?

Die Entscheidung, wie du in der Praxis deines E-Commerce die Logistik abwickelst, ist immer eine Abwägung von Effizienz, Kund:innenerlebnis und Kosten. Dabei existieren verschiedene Möglichkeiten zwischen den beiden Polen, die Logistik entweder komplett selbst zu erledigen oder vollständig an einen Dritten outzusourcen (sogenannte 3PL – Third-Party Logistics). Die wichtigsten sind:

  • Komplett eigenständige Abwicklung kommt in der Regel nur für kleine Shops oder Start-ups infrage. In diesen Szenarien kann es noch am ehesten sinnvoll sein, alles inhouse selbst abzuarbeiten.
  • Externe Versanddienstleister kommen ins Spiel, sobald Warensortiment und Bestellvolumen anwachsen.
  • E-Fulfillment-Dienstleister: Kund:innen erwarten einen schnellen und günstigen Versand sowie eine positive Erfahrung bei der Lieferung auf der letzten Meile. E-Commerce-Fulfillment kann mit Hilfe von digitaler Technologie die Logistikabläufe optimieren und Prozesse automatisieren, um menschliche Fehler zu reduzieren und eine höhere Auftragsgenauigkeit zu fördern. Allerdings empfiehlt sich angesichts der dafür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister.
  • Dropshipping, auch Streckengeschäft genannt, funktioniert so: Du als Händler:in nimmst in deinem Shop Bestellungen entgegen, die dann aber direkt von den Hersteller:innen beziehungsweise Lieferant:innen an die Endkund:innen versandt werden. Als Shop-Betreiber:in hast du also mit der „Strecke“, der eigentlichen E-Commerce-Logistik, gar nichts zu tun. Insgesamt spart Dropshipping Lager- und Transportkosten, macht aber auch abhängig von der Schnelligkeit und Qualität externer Partner.
  • Automatisierte Logistikprozesse: Hier geht es um cloudbasierte Plattformen, die alle an der E-Commerce-Logistik beteiligten Akteure in Echtzeit verbinden und Prozesse wie Beauftragung von Transportdienstleistung, Drucken von Versand- und Retourenlabels oder Anzeigen des Sendungsstatus so weit wie möglich automatisieren. Je nach individueller Situation könnte sich ein Blick auf diese Plattformen für Händler:innen lohnen.

Die Vor- und Nachteile der Abwicklungsoptionen im Überblick:

 VorteileNachteile
Inhouse-AbwicklungVolle LogistikkontrolleHoher Personal- und Zeitaufwand
Externer VersandMacht Skalierung des Geschäftsmodells erst möglichUnter Umständen geringere Gewinnmarge durch höhere Kosten
E-Fullfilment-DienstleisterUmfassende Outsourcing-LösungMargenwirksam, geringe Kontrolle über Kund:innenerlebnis
DropshippingGeringeres finanzielles RisikoKein Einfluss auf Versandprozess
Automation via PlattformZeitersparnisAbhängigkeit von Softwarelösung in der Cloud

5 Tipps für eine erfolgreiche E-Commerce-Logistik

Wie stellst du also deine E-Commerce-Logistik erfolgreich auf? Und wie kannst du dafür sorgen, dass sie dauerhaft effizient arbeitet? Die folgenden Tipps können hilfreich sein:

1.      Bedarfsplanung nicht vernachlässigen

Händler:innen, die schon länger am Start sind, stützen ihre Bestandsprognosen in der Regel auf historische Daten und persönliche Erfahrungen. Als Newcomer:in kannst du dir behelfen, indem du den Verkehr auf deiner Website oder die Aktivitäten in deinen Social-Media-Kanälen beobachtest.

So findest du häufig Hinweise auf eine sich ankündigende, höhere Nachfrage. Vergiss auch nicht, rechtzeitig Vorräte aufzubauen, um schnell auf saisonale Trends (zum Beispiel Winter- oder Sommeranfang), Feiertage und bevorstehende Sonderaktionen wie Black-Friday-Angebote reagieren zu können.

2.      Kompatible Tools und Strukturen einsetzen

Je umfangreicher sich die Anforderungen an die E-Commerce-Logistik gestalten, desto schwieriger wird es, das große Ganze im Blick zu behalten. Wenn dein Handel schnell wächst, musst du eventuell (zumindest vorübergehend) ad hoc Logistikkapazitäten wie zusätzliche Lagerfläche, Dropshipping-Strukturen oder mehrere Versandoptionen aufbauen.

Wenn diese Teile aber nicht gut miteinander kommunizieren, kann es schwierig sein, den Überblick zu behalten.

3.      Kostenlosen Versand anbieten

Kund:innen erwarten schnelle Lieferzeiten, wollen dafür aber nicht bezahlen. Marketingtechniken wie Mindestbestellmengen oder Aktionsartikel können dazu beitragen, die Zahl der Bestellungen zu erhöhen und den Skaleneffekt zu nutzen. Dann ist Disziplin an allen Punkten der Lieferkette gefragt, damit der kostenlose Versand zu einem Wettbewerbsvorteil und nicht zu einer finanziellen Belastung wird.

4.      Die letzte Meile priorisieren

Die meisten Verbraucher:innen beurteilen die gesamte Interaktion mit deinem Unternehmen anhand der Liefererfahrung. Eine nachhaltige Strategie für die letzte Meile muss deshalb ihre Erwartungen erfüllen und gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen Kosten und Ressourcenbedarf herstellen.

5.      Gutes Retourenmanagement sicherstellen

Die Verwaltung von Rücksendungen stellt in der E-Commerce-Logistik häufig eine große Herausforderung dar. Die durchschnittliche Rückgabequote in einem Ladengeschäft liegt bei unter 10 Prozent, im Onlinehandel können es über 30 sein. Vereinzelt (wie im Bekleidungsbereich) musst du dauerhaft mit einer Rücksendequote von 50 Prozent rechnen.

Um Rücksendungen richtig zu handhaben, solltest du sie als „reverse Logistik“ betrachten und mit der gleichen Sorgfalt wie den eigentlichen Kauf behandeln. Mit einigen cleveren Rückgaberichtlinien schaffst du Anreize für Käufer:innen, die darauf vertrauen können, dass sie nicht auf Produkten sitzen bleiben, die ihren Bedürfnissen nicht entsprechen. Wichtig dabei ist natürlich die Kostenkontrolle.

Du siehst, eine schlagkräftige E-Commerce-Logistik zu organisieren, ist nicht ganz einfach. Aber ohne geht es nicht. Zumindest eines ist sicher: Onlineshopper:innen werden immer anspruchsvoller, wissen guten Service aber auch immer mehr zu schätzen. Und die Logistik ist ein mächtiger Hebel in deinem Serviceerlebnis. Anstrengungen auf diesem Gebiet werden sich mehr als bezahlt machen.


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