E-Commerce

Bürokratieabbau: Was das Pilotprojekt „Schneller Gründen“ für den Online-Handel bedeutet

Christian Sturm

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Die Gründung eines Unternehmens soll in Deutschland künftig deutlich einfacher werden. Mit dem Pilotprojekt „Schneller Gründen“ testen Bund, Länder und Kommunen gemeinsam einen medienbruchfreien digitalen Gründungsprozess für Einzelunternehmen, der Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung in einem digitalen Vorgang zusammenführen soll.

Für potenzielle Online-Händler:innen ist das eine wichtige Entwicklung. Wer ein E-Commerce-Business starten möchte, stößt aktuell auf die typischen Hürden: mehrere Behörden, doppelte Angaben, Wartezeiten, Medienbrüche sowie unterschiedliche digitale oder analoge Abläufe. Genau diese Reibungsverluste soll das Projekt verringern.

Was sich hinter „Schneller Gründen“ verbirgt

„Schneller Gründen“ ist ein gemeinsames Pilotprojekt von Bund, Ländern und Kommunen, das Unternehmensgründungen einfacher, schneller und vor allem digital gestalten soll. Im Kern geht es darum, Gründungsprozesse so zu verknüpfen, dass Gründer:innen ihre Daten nur noch einmal eingeben müssen. Der Fokus liegt dabei zunächst auf Einzelunternehmen. Das ist für den Online-Handel besonders relevant, weil viele neue Online-Händler:innen in genau dieser Rechtsform starten.

Getrieben wird das Projekt vom Once-Only-Prinzip. Statt nacheinander Gewerbeamt, Finanzamt und weitere Stellen anzusteuern, soll der Antrag nur an einer zentralen Stelle digital eingereicht und im Hintergrund behördenübergreifend weiterverarbeitet werden. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, Unternehmensgründungen bundesweit digital und perspektivisch innerhalb von 24 Stunden zu ermöglichen.

Warum das für Gründer:innen im E-Commerce interessant ist

Im E-Commerce zählt Geschwindigkeit. Wer mit einem neuen Markenprojekt an den Markt geht oder einen Online-Shop startet, will nicht wochenlang auf die formale Gründung warten.

Das Pilotprojekt baut auf Effizienz und Geschwindigkeit an mehreren Stellen:

  • Schnellere Aufnahme der Geschäftstätigkeit
  • Weniger doppelte Datenerfassung
  • Beschleunigte steuerliche Erfassung und Vergabe der Steuernummer
  • Weniger organisatorischer Aufwand zu Beginn

Das sind praktische Vorteile, denn gerade in der Startphase sind Zeit, Fokus und Liquidität oft knapp. Wenn Gründungsformalitäten einfacher und digitaler werden, bleibt mehr Raum für Sortiment, Shop-Aufbau, Marketing und operative Prozesse. Auch wenn es sich zunächst um ein Pilotprojekt handelt, zeigt es eine wichtige Entwicklung: Die Verwaltung bewegt sich in Richtung durchgängiger digitaler Prozesse, die besser zu modernen Geschäftsmodellen passen.

So soll der neue Ablauf funktionieren

Die Gewerbeanmeldung und die steuerliche Erfassung sollen in einem einzigen digitalen Vorgang zusammenlaufen und so Mehrfacheingaben vermeiden. Die erfassten Daten werden anschließend automatisiert an die zuständigen Stellen übermittelt, damit die Bearbeitung im Hintergrund erfolgen kann. Behörden tauschen die Daten über das National-Once-Only-Technical-System (NOOTS) aus. Dabei handelt es sich um eine technische Infrastruktur, die öffentlichen Stellen den rechtskonformen Abruf elektronischer Nachweise aus Registern der öffentlichen Verwaltung ermöglicht. Sie umfasst alle Standards und Sicherheitsanforderungen sowie organisatorische und rechtliche Regelungen. Dies bedeutet für die Praxis, dass der Gründungsprozess nicht mehr aus vielen Einzelstationen bestehen wird, sondern wie ein durchgehender Online-Antrag funktioniert.

Der langfristige Plan sieht vor, eine Gründung innerhalb von 24 Stunden abzuwickeln. Dafür müssen allerdings mehrere staatliche Systeme besser miteinander verbunden werden, unter anderem Register und digitale Verwaltungsstrukturen. Das Pilotprojekt soll Erkenntnisse darüber liefern, welche Prozesse optimiert werden müssen.

Die Pilotstandorte

Das Projekt wird zunächst an acht ausgewählten Standorten erprobt – Aachen, Dresden, Düsseldorf, Fulda, Goslar, Mannheim, München und Nordfriesland. Dort soll sich im praktischen Betrieb zeigen, wie gut der digitale Gründungsprozess funktioniert und wo es noch Nachbesserungsbedarf gibt.

Für die Verwaltung ist der Praxistest sinnvoll, weil sich digitale Verfahren am besten im realen Betrieb testen lassen. Die Pilotstandorte sammeln somit wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen, die direkt in die Weiterentwicklung einfließen. Perspektivisch sollen weitere Regionen eingebunden werden, um Erfahrungen für einen bundesweiten Rollout zu sammeln.

Was Gründer:innen beachten sollten

Trotz des positiven Signals ist das Projekt aktuell noch kein bundesweit flächendeckender Standard. Wer heute außerhalb der Pilot-Regionen gründen möchte, muss weiterhin mit den bisherigen kommunalen und steuerlichen Verfahren rechnen. Das Projekt zeigt aber klar, in welche Richtung sich die Verwaltung entwickeln will: weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, bessere Verzahnung.

Für Gründer:innen bleibt daher eine gute Vorbereitung wichtig:

  • Rechtsform festlegen
  • Relevante Daten für Gewerbeanmeldung bereithalten
  • Steuerliche Angaben strukturiert vorbereiten
  • Prozesse für Rechnungsstellung und Datenverarbeitung direkt mitdenken

Gerade im Online-Handel zahlt sich ein sauberer Start aus, weil spätere Korrekturen oft Zeit und Geld kosten. Wer die Gründung von Anfang an strukturiert angeht, schafft bessere Voraussetzungen für einen stabilen Geschäftsaufbau.

Conclusion

„Schneller Gründen“ ist mehr als ein weiteres Digitalprojekt der Verwaltung. Für den E-Commerce ist es ein wichtiges Signal, dass Unternehmensgründungen in Deutschland künftig einfacher, schneller und stärker an reale Geschäftsmodelle angepasst werden sollen. Noch befindet sich das Vorhaben in der Pilotphase, aber die Richtung ist klar: Weniger Formularaufwand, mehr digitale Durchgängigkeit und ein deutlich einfacherer Start für moderne Unternehmensgründungen.

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FAQ zum Pilotprojekt „Schneller Gründen“

Was ist „Schneller Gründen“?
„Schneller Gründen“ ist ein Pilotprojekt der Bundesregierung, das Gründungsprozesse digital vereinfachen und beschleunigen soll.

Für wen ist das besonders relevant?
Besonders relevant ist das Projekt derzeit für Gründer:innen von Einzelunternehmen. Dazu zählen auch viele Online-Händler:innen.

Welche Vorgänge sollen zusammengelegt werden?
Geplant ist vor allem die Bündelung von Gewerbeanmeldung und steuerlicher Erfassung.

Gibt es schon die bundesweite 24-Stunden-Gründung?
Zum Start des Projekts nicht. Die 24-Stunden-Gründung ist ein Ziel, das perspektivisch erreicht werden soll.

Was bedeutet das für den E-Commerce?
Online-Händler:innen könnten künftig schneller starten, weil formale Gründungsschritte einfacher und digitaler ablaufen.

Ist das Projekt schon überall verfügbar?
Nein, es läuft zunächst als Pilot in ausgewählten Regionen (Aachen, Dresden, Düsseldorf, Fulda, Goslar, Mannheim, München und Nordfriesland).